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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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dämm, flott, hübsch, seicht, elegant, scharfes 
Tempo, vorzügliche Regie — bei diesem Niveau 
wirklich alles, was zu verlangen ist. Und die 
Wessely ist und bleibt doch eine der wenigen 
Operettendamen, die überhaupt ernst zu nehmen 
sind. Für den Sommer wird für dieses Gastspiel 
ausgesorgt sein. 
Fürs Komödienhaus sehr wahrscheinlich auch. 
»Gretchen« mit Erika Glässner und R. A. Ro 
berts, seinerzeit wegen Unmoral vom Spielplane 
verbannt, feiert Triumphe. Man könnte nachdenk 
lich werden vor dieser sittlichen Unbekümmert 
heit, die schon beinahe etwas Wedekind'sches 
hat; aber es scheint, daß das große Publikum 
heute für derartiges reif ist. Gar nicht reif 
aber schien es für den »Vatermord« in den 
Kammerspielen, der uns nach langer Zeit wieder 
einmal mit einem ausgewachsenen Theater- 
Skandale beglückte. 
Seit dieser unglückselige Hasenclever die Span 
nung zwischen Vater und Sohn als ein funkel 
nagelneues Pro 
blem entdeckt 
hat, reißt die 
Dramatik um 
diesen Konflikt 
herum nicht ab, 
diesmal noch 
recht angenehm 
durchschossen 
von einem bis 
chen Incest. 
Die Moraltrom 
petertuteten, als 
ob es gälte, ein 
neues Jericho 
umzuwerfen. 
Bleibt mir vom Halse bei 40° Hit$e mit sol 
cher Literatur. Quietschvergnügt laufe ich wieder 
wie voriges Jahr ins »Deutsche Theater« und 
lache mir Herz und Leber gesund über »Pott 
asch &. Perlmutter«. />. Victor Gofdschmidt. 
Szene aus ,Der schwarze Pierrot’. 
Eni Wirf. Lola Graft. 
.Ließesfust und -Leid“ von Shakespeare im Sddoßpark “Theater zu Steg fitz. 
Photos t Zander St L oitsch.
        
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