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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

Somm&rticfo& föüfone. 
Iso: Wie alle 
großen Er 
eignisse ihre Schat 
ten vorauswerfen, 
so auch Haupt 
manns sechzigster 
Geburtstag — so 
weit man bei der 
herrschenden Bä 
renglut von Schat 
ten überhaupt re 
den kann. Sein po 
pulärstes und er 
folgreichstes — und leerstes Stück »Die 
versunkene Glocke« wurde unter dem jubelge- 
heul von Tausenden im Großen Schauspielhaus 
namenlos schlecht aufgeführt. Wer sich jener 
Aufführungen aus dem Ende der neunziger 
Michaef Bohnen singt für eine 
Grammophon - Aufnahme. 
lahre erinnert, wo Brahms eiserne und doch 
so gütig feine Hand alles zusammenhielt, 
wird sich eines Schauders nicht erwehren können 
darüber, wie wir auf den Hund, d. h. auf den 
Zirkus gekommen sind. »Die versunkene Glocke« 
bedeutete ja für die Verehrer Hauptmanns, für 
die ernsthaften, die erste Enttäuschung. Hier 
zum ersten Mal bot er Causerie statt Tiefe und 
Sentimentalität statt Gemüt. Das hat sich in 
einem Vierteljahrhundert auch nicht gebessert; 
aber während man früher aus einer unvergleich 
lichen Aufführung nach Hause ging, flieht man 
je^t mit Schaudern vor einem unerhörten Kitsch. 
Wenn alle Hauptmann-Aufführungen vor, zu 
und nach seinem Geburtstage ebenso sind, dann 
schüfe uns Gott. 
Dann schon lieber gleich den »schwarzen 
Pierrot« im Operetten-Gastspiel am Kurfürsten- 
Boma Bahn und Pauf Hartmann in .Die versunkene Gfoc/ie" von Hauptmann im Großen Sdauspiefhzus. 
Pfiotos: Zander <£> Laßisd).
        
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