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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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geschmackliche noch materielle 
Werte in sich tragen. Im übrigen: 
wer wirklich praktisch denkt, 
wählt sehr gute Bastseide — in 
beliebiger Farbe eingefärbt — 
und führt die Stickerei nur im 
gleichen Ton, aber in verschiede 
nen Schattierungen und in weiß 
aus. Dadurch läßt man sich auch 
noch die Möglichkeit des späte- 
renEinfärbens in einem dunkleren 
Ton offen. 
Biaug rauerSchhafanzug 
mit weißen Aufschiägen. 
Modell: A. C. Steinhardt. 
dem Spalt hervorlugendes, rosa 
Tülletwas und endlich der Clou 
des Ganzen angeführt werden: 
Eine Art Spifeencape, das mantel 
artig über den Rücken und die 
Arme herabfiel und vorne über 
einandergeschlagen wurde. 
Ich kenne ein junges Mädchen 
— zierlich und vornehm wie 
nicht so leicht ein zweites — das 
trägt am Morgen, hochtrabend 
gesprochen, einen »Pyjama« aus 
Drell — in Wirklichkeit ist’s ein 
richtiger »Arbeiteranzug«. Nach 
getaner Arbeit streift sie den 
»Arbeitskittel« ab. Dann erst 
macht sie gründlich Toilette, 
schlüpft in das gewohnte Kleid, 
wird sie selbst. Hundert, tau 
send Mal besser gefällt sie mir 
mit ihrem Beinkleid, auf dessen 
Kniestelle ein großer Flicken 
prangt, als mein »Wohnungs 
gegenüber«, die ich schon mor 
gens um 8 Uhr in der weißen (?) 
Bluse sehe, obwohl sie offenbar 
eine große Wohnung ohne Hilfs 
kraft in Ordnung zu halten hat, 
in derselben weißen Bluse, die 
sie auch zum Ausgehen trägt —. 
Eine Frau, die Dame ist, die 
es liebt, sich elegant zu kleiden 
und der Mode auf dem Fuße zu 
folgen, kann keines ihrer 
eigentlichen, ihrer nor 
malen Kleidungsstücke 
brauchen, um reelle 
Hausarbeit zu verrichten. 
Der ideale Arbeitsanzug 
für die schlanke Frau 
ist Hose und Jacke oder 
Schoßbluse. Die nicht 
schlanke muß sich mit 
dem einfachen Kimono 
oder dem Rode und der 
Matinee abfinden und 
kann das Korsett nicht 
entbehren. Es ist aus 
Trikot oder noch besser 
aus Gummistoff. Ne 
benbei bemerkt. Ken 
nen Sie die Gummikor 
setts? — Teuer, aber 
wunderbar zu tragen! 
Sie geben Halt, ohne 
sich zu verraten. 
Getragen von der c Filmschau= 
Spielerin Genia Morclli. / 
Sämtliche Photos stammen 
aus dem Atelier Suse Sylt. 
Als die schönsten Deshabilles 
erscheinen die aus dem neuen 
Seidenstoff, der in Paris der cri 
des Tages ist. Man nennt ihn 
»soie cloquee.« (Von Zusammen 
schrumpfen.) Man verwendete 
schon vor Jahren einen ähnlidien, 
äußerst mollig - geschmeidigen 
Seidenstoff für Negliges. Heute 
hat das Material ein etwas ver 
ändertes Aussehen, es ähnelt 
einem wattierten, durchgenähten 
Stoff — der, nebenbei bemerkt, 
audr für Mäntel, Westen, Hüte 
usw. verarbeitet wird, nur leider 
für uns an dem einen, elemen 
taren Fehler krankt, unerschwing 
lich teuer zu sein, ebenso wie 
»Matelasse«, der auch als haute 
nouveaute gilt, und für Kleider, 
Mäntel sowie elegante Peignoirs 
verarbeitet wird. Zu 
fällig durfte ich kürz 
lich an einer hübschen 
Frau einen solchen be 
wundern. Die Form 
spartanisch einfach: Ein 
Kittel, ärmellos, vom 
Halsausschnitt bis über 
die Taille hinunter ge 
schlitzt. Am oberen 
Ausschnittrand mittels 
schmaler Bändchen zu 
sammengehalten, und 
dann noch zweimal. Er 
schloß nicht gerade her 
metisch — na, die Frau 
Oberkonsistorialkreis- 
gerichtspräsidentin war 
ja aber nicht zugegen, 
auch kann als Milde 
rungsgrund senegalische 
Temperatur im Hotel 
zimmer, weiter ein aus 
Edith Meder in einem Morgenftfeid aus rosa Crepe de 
Chine mit hedßfauen Ornamenten. Modell: Sieghert Levy
        
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