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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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Von Margarete, uon Suttner. 
Z u sagen: »eine Frau ist am schönsten im Mor 
genanzug«, ist eine beliebte Phrase. Neun Mal 
unter zehn nichts als Phrase! Freilich, eine 
Frau von der klassischen Schönheit einer Lil Dagover 
präsentiert sich am verführerischsten im Deshobille. 
Das wurde sicher all ihren Verehrern klar gelegentlich 
der vom Modenverband veranstalteten Modeschau im 
Metropoltheater. Sie konnten sich überzeugen, daß 
ihre Schönheit im ersten Bilde, im Rahmen des schlicht 
fallenden, rosa Negliges ungleich plastischer hervortrat 
als umgeben vom reichen Schnörkelwerk der großen 
Abendtoilette, der Spieen und Volants. 
Eine Lil Dagover ist jeder Form des Morgen 
kleides gewachsen — ob Peignoir, ob Pyjama, ob 
Kimono, ob reich beriischter, spi^enüberrieselter, lang 
schleppender Luxusmorgenrock früherer Jahrzehnte. 
Aber wir andern, die wir keine Lil Dagover an 
Schönheit sind! Wie steht’s mit uns? Der Morgen 
anzug ist die kritischste Phase für eine Frau, und leider 
Efeganter Scßfafanzug aus geßfiimter 
Ripsseide mit ceriseroten Aufsdtiäge 
Modelt, Sieg Bert Levy, Berlin. 
Trägerin: Edith Meller. 
kann man sich nicht darüber 
täuschen, daß er in seiner 
aktuellen Form diffiziler 
zu tragen ist als in der 
vergangener Jahrzehnte. 
Man braucht nur einen 
eleganten, altmodischen 
Morgenrock umzunehmen, 
um sich zu überzeugen, daß 
die Volants und Rüschen, 
die Schleppe und großen 
»Schinkenärmel«, kurz das 
ganze Drum und Dran da 
zu angetan sind, zu ver 
schleiern, sogar zu ver 
stecken, während so ein 
verflixtes letjtmodernes Des 
habille kaum verschleiert 
Aparter Kimono in weiß- 
rosa, mit rot aßgetönt. 
Modell. A C. Steinhardt. Berlin. 
Schwarzer Kimono mit weißen und 
rosa Rosen Bestießt. 
Modell: A. C. Steinhardt, Berlin. 
Trägerin: Trau lein von Suttner. 
und gar nichts versteckt! 
Es ist ein Kind seiner 
Zeit: insdiskret, gerade 
heraus. Am günstigsten 
ist und bleibt von allen 
zur Verfügung stehenden 
der Kimono, möglichst weit 
gehalten. Einen Kimono 
zu besticken gehört mo 
mentan zu den beliebtesten 
Handarbeiten der elegan 
ten und klugen Frau. Teils 
instinktiv, teils getrieben 
vom empfindsamen Ge 
schmack lehnt sie es ab, 
ihre Zeit mit der Aus 
führung von Handarbeiten 
totzuschlagen, die weder 
Getragen von Trättlein Gert 
Hugh. I Sämtliche Photos stam= 
men aus dem Atelier von Suse 
Byl, Berlin, Kurfürstendamm.
        
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