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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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E.-C-A 
T • B 
„IS ßitte um Ruße, meine Herren I" 
N a, Gott sei Dank, nun hat Berlin nach 
längerem Herumtappen endlich sein legitimes 
Hasardspiel gefunden. Dieses Ecarte ist eine 
ganz tückische Sache. Alle anderen Spiele er» 
fordern entweder Verstand oder Glück. Das Ecarte 
„Afso, wissense, seitdem Sie ßinter mir steßen, 
ßaße ic6 das reine PeS!" 
verlangt beides. Wenn man, die schönsten Karten 
schlecht spielt, kann man sie von einem geschieht 
ten Gegner aus der Hand gedreht bekommen und 
umgekehrt. Wahrscheinlich, daß diese Tatsache das 
Reichsgericht veranlaßte, das Ecarte als ein er 
laubtes Spiel zu erklären. Die Folgen kann es sich 
jetzt besehen. 
Es wird wieder mehr als je gespielt in Berlin. 
Der Fremde, der zu uns kommt, muß sich erstaunt 
fragen, wer das Märchen von der Wohnungsnot 
eigentlich aufgebracht hat. Den ganzen Kurfürsten» 
dämm lang und in den Nebenstraßen wimmelt es 
von Ecarte=Klubs, die von der Polizei gebilligt und, 
man möchte sagen, gern gesehen sind. Nachmittags, 
so um vier Uhr, beginnt der Kampf. Irgendein 
Herr mit besonders dicher Brieftasche — im Spieler» 
jargon heißt das, ist warm angezogen — über» 
nimmt die Chouette, das heißt, er spielt allein oder 
mit nur wenigen Teilhabern gegen alle anderen, die 
in ihrer Gesamtheit die Ponte benannt werden. 
Diese Ponte ist ein unangenehmes Tier. Nehmen 
wir an, sie besteht aus nur 30 Köpfen, so hat sie 
mindestens 60 Meinungen, die ebenso laut wie ein» 
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