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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

Zunächst bannen wir 
alles aus unserem 
täglichen und intim 
sten Umkreis, was das 
Scham- und Anstands 
gefühl des anderen 
verleben könnte. Sie 
werden mich schon 
verstehen“. Und ich 
verstand sie. Ja, ja, 
was da gesündigt wird 
in Worten und Taten 
in manchen jungen und 
alten Ehen, und das 
garstige Wort: „Wir 
sind ja verheiratet, da 
soll man nicht so 
zimperlich oder prüde 
sein!“ habe ich leider 
so oft, ach, so oft 
gehört! 
Merke auf, freund 
liche Hausfrau und 
Gattin und auch du, 
greulicher Hauspa 
scha: Verlebt nicht ge 
genseitig euer Scham- 
und Anstandsgefühl, 
laßt euch nicht gehen! 
Und FrauElisa fuhr 
fort: „Und das zweite 
Unentbehrlich, um edle Schönheit zu erreichen. Verleiht dem Teint 
märchenhaften Zauber und wundervollen aparten Reiz. Auch als 
Massage=Creme von unvergleichlicher Wirkung. 
Tubenpreis Mark 15.— Elegante Dose Mark 25.— und 35.— 
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sauber gedeckten 
Tisch. Unser bißchen 
Silberzeug, ja das muß 
zu jeder Mahlzeit her 
an, das verkümmert 
nicht im Kasten für die 
so seltenen Gäste.“ 
Und so plauderte 
und erzählte mir die 
kleine, liebe Frau 
allerhand so kleine 
Kniffe, ach, so einfach, 
so billig und doch so 
bedeutungsvoll für 
das tägliche Dasein. 
Ich erfuhr, wie sie 
keinen Tag des Ge 
denkens, sei es, da 
sie sich kennen ge 
lernt, das erste Mal 
geküßt, verlobt usw., 
vorübergehen lasse, 
ohne ihren Gatten 
durch ein kleines Ge 
schenk überrascht zu 
haben. 
„Und er, Karl?“ 
fragte ich dazwischen. 
Da lächelte sie so 
glücklich. „Er macht 
es genau so. Keine 
Geheimelixier, was ich 
verwende, um uns ewige Flitterwochen zu erhalten, 
heißt „Heiterkeit“. Sie kennen ja Karl. Er muß 
immer dabei sein, ist bei jeder 
Sache, sei es im Geschäft, 
im öffentlichen Leben, in der 
leidigen Politik, mit dem gan 
zen Herzen dabei. Und wenn 
er heimkommt, da bin ich 
ganz Sonnenstrahl und lache 
und blibe ihn an, und husch, 
ist alle schlechte Laune wie 
weggeblasen! Ich bringe ihm 
die bequemen Schuhe, das 
Rauchjackett und dann gehts 
zu Tisch. Sie wissen, wir 
sind nicht reiche Leute und 
können nicht schwelgen und 
Luxus treiben im Essen und 
Trinken, aber ich trage alles 
nett auf; denn auch das Auge 
ißt mit, nicht bloß der Mund 
und der Gaumen. Ein paar 
Blumen, aber beileibe keine 
teueren, ein paar Wiesen-und 
Feldblumen in einer Schale 
schön geordnet, zieren den 
Nachlässigkeit werde 
ich gewahr an ihm, er verwechselt Bequemlichkeit 
durchaus nicht mit Schlamperei, er läßt sich nie gehen, 
kaum, daß ich ihn einmal in 
Hemdärmeln sehe. Nie sibt 
er ohne Kragen bei Tisch, nie 
vergißt er, mich an seiner 
rechten Seite gehen zu lassen 
oder mir zuvorkommend die 
Tür zu öffnen, damit ich vor 
ausgehe, nie, nie versäumt er, 
sich zu entschuldigen, wenn 
er mir unabsichtlich weh ge 
tan, oder zu danken für eine 
Handreichung. Nie ist er un 
willig oder hart, er ist genau 
noch so, wie zu unserer Braut 
zeit!“ 
Ich saß schweigend da 
und sann über diese Worte 
nach. Da lachte sie silbern 
auf und rief: 
„Hören Sie, ich weiß, was 
Sie jebt denken!“ 
„Da wäre ich neugierig!“ 
„Nun, Sie meinen im Innern, 
das sind ja alles Äußerlich- 
SATYRIN 
SCHAFFT 
JUGEND U KRAFT 
GOLD FÜR MÄNNER* SILBER LUR FRAUEN 
AKT GES HORMONA DÜSSELDORF. GRAFEWBERG 
ERHÄLTLICH IN APOTHEKEN 
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