Path:

Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

19 
Jack t fi e Clou 
Von DICarya Fasson. 
(Schluß) 
Als der Horizont grau wurde, verfiel lacks Gesicht, ln seinen 
Augen erlosch der Glanz zu fahler Stumpfheit. 
Er kniete nieder und betete inbrünstig, 
die Luft entführen oder von oben 
in den Kopf stechen, daß er ohne 
Schmerzen war. 
Es geschah nichts. Er stand 
nach einerWeileauf und warf den 
nassen Mantel ab. Er richtete sich 
ganz gerade auf. Sein schwarzer 
Körper ragte breit und herrlich in 
die erblassende Nacht. 
lade sah mit großen und erha 
benen Blicken um sich. 
Am Horizont glänzte matt ein 
Licht auf. Es wuchs und entrollte 
sich zu einer langen glänzenden 
Schlange, die, um ein paar hun 
dert Meter entfernt, vorbeiglitt. 
Das Puffen der Maschine klopfte 
an Jacks Ohren. Er hörte mit ge 
blähten Nüstern auf das Rollen 
der Räder. 
Er nickte mit dem Kopf und 
grüßte mit einer weiten Geste 
den Himmel. Einen Augenblick 
lang sanken ihm die Lider. Er 
sah zweiBeine.die unter ihm eine 
tolle Pirouette schlugen. Eine 
stumpfe Hand klopfte ihm gegen 
den Hinterkopf. 
Unhörbarstammelte er:»Yes, 
1 go!« und stapfte geradeaus, da 
hin, wo der Zug vorbeigerollt 
war, den Kopf voran, wie ein müdes krankes Tier. Als er an die Eisen 
bahnstrecke kam, legte er sich ohne Umstände über die Schienen. Das 
kalte Eisen brannte ihm gegen die nackte Brust. Seine Zähne fingen 
wieder an zu klappern. Sie schlugen immer wilder aufeinander, daß es 
wie ein unerträglicher Lärm vor seinen Ohren war. 
Aus der Stadt sprang ein dumpfer Schuß gegen den Himmel, noch 
einer, noch einer. Jack hob die Augen halb, und sah die Luft aufzucken 
und erlöschen. Es mußte eine Artillerieübung sein oder eineExplosion. 
Die Schüsse jagten einander und zerrissen den stillen Morgen. Dann 
spürte Jack ein Zittern unter dem Herzen, wo die Schiene lag, ein 
dumpfes rhythmisches Beben. Er 
begann zu stöhnen, lauter, lauter, 
um dieses Geräusch, das ihm die 
Haare aufrichtete, zu übertönen. 
Eine graue Schlange würgte sich 
durch seine Kehle abwärts. 
Die Schüsse verstummten. Das 
Schweigen sprang groß und 
katzenhaft vom Himmel. Unter 
Jacks Herz hüpfte die Schiene. 
Er äcJizte und wollte aufsprin 
gen. Aber es schlug etwas auf 
seinen Nacken wie ein fremder 
Wille,daßerliegenbleibenmußte. 
Die Schienen sprangen auf und 
nieder. Ein chaotisches Rollen und 
Rattern sang an ihr entlang. Jack 
grub das Gesicht in die Erde, da 
mit er die Lichter nicht sah.Wenn 
er die Lichter sähe, würde er auf 
springen und fortlaufen. 
Die Brust schmerzte ihm von 
diesem wilden Auf und Ab. Einen 
Meter hoch stieg er wohl und fiel 
wieder, stieg und fiel,immer wie 
der. Er hielt sich am Boden fest. 
Er stöhnte nicht mehr, er schrie. 
Schrie sein grausames Leid in die 
Erde und alle nie erschöpften Qua 
len von allen, die um ihrer Rasse 
willen verflucht und ausgestoßen 
sind. Während sein starkerLeib auf den Schienen tanzte, schrie er nach 
Gott und den Menschen und verwünschte sie. Er bettelte um Gnade 
und lästerte sich in den Tod. Im letzten Augenblick sah er die Lampen. 
Sie fielen gleich gierigen wüsten Tieren über ihn her. Die Maschine 
brauste wie das höllische Feuer auf. Jack schlug mit den Armen nach 
ihn Sie zermalmte ihn auf den Schienen, und der ganze lange Zug, 
in dem viele weiße Menschen saßen, fuhr über ihn weg. 
Gott sollte ihn durch 
Biocitin ist das von medizinischen Autoritäten an 
erkannte, unstreitig wirklich hervorragende und ver 
trauenswerte Nähr- und Kräftigungsmittel bei 
JlecvosUätllnterernäArun^ 
@fufarmu<, itfifaffosi^eU 
I wie überhaupt bei allen mit körperlicher oder 
nervöser Schwäche verbundenen Zuständen. Bio 
citin ist auch das beste Stärkungsmittel für 
Ifronlie und Genesende. 
Ein Löffel des denkbar leichtest verdaulichen und wohl 
schmeckenden Biocitin wird stets gern genommen, regt 
den Appetit an, erzeugt,Wohlbefinden und verleiht je 
der leichtesten Suppe den Charakter einer wertvollen 
Krafinahrung. Biocitin ist in der alten bewährten 
Güte in Apotheken und Drogerien wieder erhält 
lich. Ein Geschmackmuster Biocitin. sowie eine Bro 
schüre versendet auf Wunsch vollständig kostenlos die 
(fiiOcitin-(f€tbritz S. m. b. 3f€. 
Berlin S 61 / Bl. 
UNSERE 
Unsere Seele 
gleicht dem Meere — 
Wilde Wogenkämme 
rollen, 
Aufgepeitscht 
bei Sturmes Brausen 
Prallen sie 
an rissige Felsen, 
Die aus tiefer Erde 
Grunde 
Bis hinauf zum Himmel 
ragen. 
Und die Stürme gehn 
vorüber — 
Wo nicht erhältlich, anzufragen bei: F. R. MÜLLER, Berlin C ZS, 
beunruhigt Sie der Gedanke 
an Ihr graues, verfärbtes oder 
verbleichfes Haar, das den Reiz 
Ihrer Persönlichkeit ungünstig 
beeinträchtigt. Denken Sie im 
mer daran, da& es ein Mittel gibt, 
das auf der Basis des seit Jahrtausen 
den im Orient bekannten Naturproduktes 
Henna hergestellt und alle Eigenschaften 
dieser wunderbaren Pflanze besitzt. 
Jeder bessere Damenfriseur in 
Deutschland färbt mit 
HCMSA 
Alexanderstrafje 37 a. / Fernsprecher: Königstadt 7607. 
SEELE * 
Sanfter kräuseln sich die 
Wellen 
Ausgeglichner in dem 
Kampf des Lebens 
Gleitet hin die durstige 
Seele 
Zu dem hilfreich rettend 
Ufer, 
Das sie schützt . 
vor rauhen Winden, 
Wunden deckend, die 
das Schicksal schlug. 
E. Rußinstein.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.