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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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gesinnten »Damen und Herren«: davongelaufenen Lehr 
lingen, verkrachten Studenten, Ladenmädels, Tippfräuleins 
und eleganter Demimonde. Alles durcheinander. 
Beruf. <Daß Herr Kurbelgauner von jedem »Freund« 
Provision erhielt, wußte Lieschen damals noch nicht.) 
Eines Tages rief der Meister sie nach der Lehrstunde 
Mftom 
30 Jahre glanzend 
bewährt 
Heil-Creme 
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BERLIN 
Man war redlich bemüht, etwas zu lernen, die bizarren 
Posen des Meisters nachzuahmen. Er war mit seinen 
Schülern recht zufrieden — be® 
sonders nach jeder der häufigen 
»Vorschußzahlungen«. Nach 
vier Wochen hatte Papa Müller 
bereits zweimal »nachsenden« 
müssen. Es kostete immer 
schwere, innere Kämpfe, von 
denen die begeisterte Schauspiel® 
Elevin nichts ahnte. Küssen, 
auskleiden <mit gedachtem »Ab® 
blenden!«) und Augenrollen 
hatte Lieschen Müller bald we&, 
Blick Nr. 17 ® kokett-verächtlich 
und der matte Augenaufschlag 
dagegen wollten noch nicht so 
recht gehen. Aber es würde 
schon noch werden — tröstete 
Herr Kurbelgauner, der stets die 
Liebenswürdigkeit selbst war. 
Er hatte sich sogar höchst per® 
sönlich für ihren Anzug inter® 
essiert, hatte sich ihre Kleidung 
bis in die kleinsten Einzelheiten, 
bis auf die intimsten Stücke 
genau angesehen und ihr Rat® 
Schläge gegeben, wie man sich noch raffinierter ausziehen 
SATYRIN 
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ERHÄLTLICH INJ APOTHEKEN 
wieder zu sich. »Sagen Sie mal, Fräulein«, begann er, 
»wie heißen Sie doch gleich?« 
»Lieschen Müller«, antwortete 
sie schon weit kecker als früher. 
»Brrrrrr . . .«, schüttelte sich der 
Lehrer, »Lieschen Müller ist für 
einen Filmstar unmöglich. Sie 
werden ja jetzt bald Ihren 
Siegeszug antreten — da wird 
es Zeit, einen geeigneten 
Namen für Sie zu finden. — 
Warten Sie mal einen Augen® 
blick!« — Er dachte nach, 
kritzelte allerlei Namen auf 
ein Blatt Papier, sah ver® 
schiedene Lexika ein. Plötzlich 
wetterleuchtete es in seinen 
Zügen. »Ich hab's«, rief er, 
»Sie sind schwarzhaarig — also 
Lieschen wird E 1 i z a und 
Müller — Müllero — Mülle® 
rini — nein, das geht nicht. 
Halt — wie wär's — der 
Müller heißt lateinisch molitor — 
Eliza Molitor! — glän® 
zend, fabelhaft — nicht wahr? 
— Ja, der Name ist Reklame, 
goldene Berge wert. Eliza Molitor — danken Sie Ihrem 
könnte, ohne mit dem Zensurgesetz in Konflikt zu kommen. Schöpfer, daß Sie zu mir in die Schule gekommen sind. — 
Erst war sie errötet, wenn er im Privatkämmerlein mit Für das Pseudonym verlange ich selbstverständlich keine 
ihr diese Dinge besprach — 
aber schließlich — es gehörte 
zum Beruf! Sie hatte sich bald 
daran gewöhnt. Auch einen 
Freund hatte er ihr besorgt, 
der zwar etwas aufdringlich, 
aber reich war und manchen 
ihrer Wünsche erfüllte. Nun 
brauchte sie nicht jedes Pfennigs 
wegen an Papa zu schreiben — 
und ein Freund gehörte ja nach 
des Meisters Ansicht auch zum 
Perlen 
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Sehr grosses Silberiaget 
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Eigene Ankaufs-Abteilung 
Entschädigung. Aber wenn Sie 
mir einen Gefallen tun wollen — 
seien Sie heute Nachmittag zum 
Tee mein Gast!« 
Eliza war berauscht und sagte 
überglücklich zu. Herr Kurbel® 
gauner war ja auch ein tot 
schicker Mann! 
Sie kam — es wurde sehr ge 
mütlich in dem traulichen Raum, 
bis der Meister mit der Bitte 
herausrückte, ihm eintausend
        
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