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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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\J^orms in der Hauptrolle, einstudiert. Paula hatte vierzehn Tage später wurde der Parademarsdh 
damals gerade zarte Beziehungen zu einem be« danadh geübt, und es hat unberufen fast fünf Jahre 
kannten Lebejüng« 
ling mit dem alt« 
klassischen Namen 
Cohn. Selbiger 
hatte ihr — Papas 
Geschäft warf ja 
solche Kleinig« 
keiten ab — für 
die Generalprobe 
eine Perlenkette 
versprochen. Die 
Probe kam heran, 
aber nicht Cohn 
mit der Perlen« 
kette. Aufgeregt 
lief Paula durch 
gedauert, bis man 
das Stück Malheur 
wieder los war, und 
das auch nur, weil 
»Puppchen, du bist 
mein Augenstern« 
noch schöner war. 
Dieses Klassiker« 
werk grassierte 
allerdings derartig, 
daß manche Leu« 
te von musikali« 
scher Kultur nur 
noch mit gelade« 
nem Revolver spa« 
zieren gingen. 
„Ach, komm doch auf die Höhe der Situation." 
alle Gänge des Theaters, stürzte in alle Garde« Es scheint, als ob in unseren Tagen der eigent« 
roben und schrie jedweden, den sie traf, an: »Haben liehe Gassenhauer nicht mehr so recht floriert. 
Sie nicht den kleinen Cohn gesehn?« Der Direktor Der letzte, der wirklich anschlug — »Wer wird 
Schönfeld fand diese Frage klassisch, rief den denn weinen, wenn man auseinander geht«, ist ja 
Komponisten heran und befahl ihm, innerhalb von nun schon zwei Jahre alt und dürfte selbst in 
zehn Minuten ein Couplet zu schreiben, das Wunsen a. d. Luhe veraltet wirken. Dieser Winter 
auf diesen Re« 
frain paßte, und 
»dichtete« den 
Text persönlich. 
Als Thielscher 
an jenem Abend 
das Ding sang, 
raste das Haus 
vor Wonne. 
Am nächsten 
Morgen sang 
es ganz Ber« 
lin, zwei Tage 
später das 
deutsche Reich, 
Kapede Meschugge nach dem neuesten Schfager. 
brachte eigent« 
lieh gar keinen 
richtigen, echten 
Gassenhauer, 
denn das schöne 
Lied »Zeig mir 
mal deinMutter= 
mal« hat auch 
nicht so recht 
ziehen wollen. 
Das soll uns 
ganz recht sein,- 
unser Bedarf ist 
auf Jahre hin« 
aus gedeckt.
        
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