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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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Jack verbeugte sich einmal ums andere. Dicke Schweißtropfen 
rieselten ihm über Gesicht und Körper. Seine Mundwinkel zuckten 
heftig hin und her. Plötzlich brach er in Lachen aus. Es war ein 
jauchzendes gellendes Lachen, 
das seinen Bauch zittern machte. 
Die Tränen traten ihm davon 
in die Augen und mischten sich 
mit dem Schweiß auf seinen 
Backen. Seine Schultern hüpf 
ten in einem Krampf von Glück 
und Triumph. 
* 
Fünf 1 age später rang Jack 
zum zweiten Male. Er war sehr 
unzufrieden. Man gab ihm Rickel 
zum Gegner, den alterndenMann, 
dessen magere Knie er voll Mit 
leid betrachtet hatte. Das war 
nichts für ihn. Nun, er würde 
ihn in wenigen Sekunden werfen 
und ihnen zeigen, daß man ihm 
mit so etwas nicht kommen sollte. 
Er kleidete sidi gleichgültig 
um. Seine Garderobe war nicht 
sehr warm. Ein leichtes Frösteln 
hastete ihm über den Rücken. 
Auch Rickel, der mit ein paar 
Kollegen vor dem Vorhang zur 
Manege stand, fror. Er klapperte 
hörbar mit den Zähnen. 
Der Ringer mit den Schläch- 
termuskeln lehnte ihm gegenüber, die Arme über der ungeheuren 
Brust versdiränkt. Er sah ihn herablassend an. »Na, Rickel, für 
dich gibts heut nichts zu ladien!« 
Rickel schlug mit den Armen, um sich warm zu machen. Sein 
graues Haar wehte in der Zug 
luft. Er konnte seine Zähne 
nidtt zur Ruhe bringen. 
»Kriegen wird er midi ja!« 
schnatterte er fröstelnd. »Der 
Kerl, der hat — der hat ja den 
Urwald in den Armen!« 
Der Schlächter sah an ihm 
herauf und herab. 
»Du solltest nidit mehr mit 
machen«, sagte er ruhig. »Du 
bist vorbei. 
Rickel sah ihn demütig an. 
»Freilidi! Ich wer’ jetjt im 
mer gesdimissen«, meckerte er 
mit armseliger Heiterkeit. »Man 
nimmt mich wohl nur noch wegen 
früher. Der Harne, der ist noch 
nicht vorbei! Aber wenn man 
halt Kinder hat. . .« 
Der Sdilächter zuckte die 
Achseln. 
Rickel versuchte zu lachen. 
Er brachte nur ein dünnes, mage 
res Ladien fertig. 
»Kriegen wird er mich ja!« 
fing er wieder an. »Aber. ..« Er 
brach ab, weil der Schlächter ihm 
gleichgültig den Rücken zukehrte. 
Der Zirkus füllte sidi. Das 
Orchester setjte mit seiner grel 
len Musik ein. Eine Trompete 
klappte mißtönig nadi. Dis Kingel schrillte dreimal hintereinander, 
lang und erregt. 
Jack kam lässig aus der Garderobe. Die Kollegen liielten sidi 
mißtrauisch und abseits von ihm. 
Rickel lächelte ihm unterwürfig 
bittend zu. Aber er sah es nidit. 
Wieder zogen sie alle zum 
Toreromarsdi uni die Manege, 
lack fühlte, wie sidi die Blicke 
wie ein langer Schweif an ihn 
hängten. Manche riefen ihm zu. 
Die Dame in der Loge neigte 
leicht den Kopf. Das Fieber stieg 
ihm von den Füßen aufwärts 
durch Bauch und Brust insGehirn. 
Als ihm dann Rickel mit un 
sicheren Knien auf der Matte 
gegenübertrat, ging ein unzufrie 
denes Murren durch die Reihen. 
Jack zuckte die Achseln, um an 
zudeuten, daß er nidits dafür 
könne. Rickel sah sdiuldbewußt 
zu Boden. Er sdiämte sich seines 
verbrauditen Körpers, an dem so 
viele Augen mißbilligend hingen. 
Der Pfiff gellte zum Beginn. 
Rickel wich in einem plötzlichen 
Instinkt zurück, Jack packte ihn, 
und unmittelbar darauf geschah 
das furchtbare Unglück. 
Es ging alles sehr schnell. 
Jack hob Rickel hoch, daß seine 
Beine durch die Luft sausten und senkrecht emporstanden. Er 
wollte ihn — nur mit den Händen — auf den Rücken legen wie eine 
Puppe, ln diesem Augenblick entglitt ihm Rickel und stieß durch die 
Heftigkeit der Bewegung, in der er sich befand, mit dem Kopf 
sehr hart auf den Boden. Er 
fiel um und blieb liegen. 
Das Publikum johlte Beifall 
für Jack. Von der Galerie pfiffen 
die Straßenjungen Rickel aus: 
»Zieh ab, altes Laster, zieh ab!« 
Ricke 1 zog nicht ab. Er blieb 
still am Boden liegen, lack wollte 
ihm aufhelfen. Er hob ihn an 
den Armen in die Höhe. Da 
klappte der graue Kopf lose 
hintenüber. 
Eine plöbliche beklommene 
Stille erstickte die Schreie im 
Publikum. Der Schiedsrichter 
beugte sich über den Liegenden. 
»Na, Herr Rickel!« rief er, 
»was fehlt Ihnen denn ?« 
»Zum Teufel, ist hier kein 
Arzt?« schrie jemand aus der 
untersten Reihe. »Das sieht man 
doch, daß dem Mann was passiert 
ist!« Mehrere Herren stiegen über 
die Brüstung in die Manege. Sie 
knieten um Rickel nieder und 
untersuchten ihn. Sie tauschten 
ernste Blicke und standen auf. 
Jack sah sie mit wilden, dum 
men Augen an. Ihm war, als 
sei sein Kopf in lauter dicke 
Tücher gewickelt, so daß er nidit 
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