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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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für die Karosserie und 
die Motorhaube. Aber 
gerade dieser äußeren 
Form galtin letzter Zeit 
das Hauptinteresse 
aller Autofreunde. Die 
Form beherrschte auch 
die letzte große Ber 
liner Automobilaus 
stellung. 
Eine ähnliche Ent 
wicklung wie die Ka 
rosserie weist auch 
der Autodreß auf. 
Auch das Äußere des 
Automobilisten fällt in 
den Rahmen der Auto 
kultur und muß sich, 
je nach Zweck und 
Sinn, nach den Ge 
setzen der Logik und 
Ästhetik richten. Die 
Zeiten sind längst 
dahin, da der Auto 
mobilist, aus Furcht 
ein Opfer des Staubes 
zu werden, auch bei 
den kleinsten Ausflü 
gen in die Umgebung 
der Stadt seinen Wa- 
Automantef für Damen aus ne- gen bis an die Zähne 
preßtem Leder, innen mit Pfaidfutter vermummt bestieg 
pefüttert. Dazu passende Kappe. ^^ nicht yon heufe 
auf morgen, aber 
doch so allmählich und nicht zum wenigsten durch 
die intensive Mitarbeit unserer führenden Häuser 
für Sportbekleidung ist es gelungen, einen zweck 
mäßigen und außerordentlich geschmackvollen Auto 
dreß zu schaffen. Ein einreihiger Sportanzug aus 
rauhem Homespun oder gemustertem Gabardine mit 
aufgesetzten Taschen und Breeches oder Knicker 
bockers ist das Kleid des Tourenfahrers. Dazu trägt 
er derbe, braune Schnürstiefel mit Wickel- oder Leder 
gamaschen. Sehr praktisch sind auch Sportschnür 
stiefel mit sehr hohen Schäften, die bis unterhalb 
des Knies reichen. 
Als Kopfbedeckung dient eine Sportmütze aus Nappa 
oder Wildleder, die mit herunterknöpfbaren Ohren 
klappen, als Schutz bei rauher Witterung, versehen 
sein kann. 
Im offenen Touren wagen muß man auch im Sommer 
stets Mäntel mifnehmen. Denn es kann plötzliches 
Regenwetter eintreten, oder eine unvorhergesehene 
Panne kann die Insassen zwingen, eine Nacht im Freien 
zuzubringen. Diesen Forderungen muß der Automantel 
Rechnung tragen; er muß sowohl wasserdicht sein, 
als auch gegen Kälte schützen. Am besten ist ein Fahr 
mantel aus Nappaleder, der innen mit einem Stoff 
überzug versehen ist und somit doppelseitig getragen 
werden kann. Das Leder schüft gegen Feuchtigkeit 
und der Stoff dient als Wärmehülle. Sehr warm sind 
auch Mäntel aus Kamelhaar oder dickem Flauschstoff. 
Auf jeden Fall soll der Automantel hochgeschlossen 
sein und eine möglichst weitgeschnittene und lange 
Schlüpferform haben. Die Weite des Mantels kann 
durch einen Gurt aus derselben Stoffart in der Taille 
zusammengehalten werden. Der Herr am Steuer trägt 
Fahrhandschuhe mit verlängerten Stulpen, um die 
Ärmelöffnung vor Wind zu schützen. Es ist wohl 
überflüssig zu erwähnen, daß dieser Sportdreß nur 
für den Tourenwagen gilt und in der Stadtlimousine 
lächerlich wirken würde. Für das Coupe genügt na 
türlich die gewöhnliche Straßenkleidung. 
Anders der Motorradfahrer, der bei weitem mehr den 
Witterungsunbilden ausgesetzt ist als jeder Automobi 
list. Er hat das Recht, auch in der Stadt einen aus 
gesprochenen Sportdreß anzulegen. Sein Anzug be 
steht am besten aus einer kurzen Lederjacke über 
einer Ärmelwesfe aus Leder. Die Hosen müssen aus 
einem möglichst festen Material wie Leder, Cord oder 
einem Gabardinege 
webe gefertigt sein. 
Um die Schienbeine 
gegen Stoß zu schüt 
zen, sind Ledergama 
schen auf jeden Fall 
zu empfehlen. Über 
den Kopf zieht er eine 
Lederhaube, die zu 
gleich Nacken und 
Hals vor Zugluft und 
Nässe schützt. 
Die Ärmelweste aus 
Leder ist für den Her 
renfahrer unvergleich 
lich praktisch. Nur zu 
oft kommt er in die 
Verlegenheit bei einer 
Panne unter den Wa 
gen kriechen zu müs 
sen, um dort mit dem 
Handwerkszeug eine 
mehr oder weniger ge 
ringfügige Störung zu 
beseitigen. Dann heißt 
es alle lästigen Hüllen 
abwerfen, um unge 
hindert arbeiten zu 
können. Die Leder 
weste bewahrt in die 
sem Fall das Hemd 
vor dem schmutzigen 
Landstraßen - Kolorit. 
Sportanzug, wie er unter dem Auto- 
mantef getragen wird, aus mefiertetn 
Homespun mit aufgesetzten Tascften.
        
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