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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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SCENE 
ff M^m,U S IBANR 
VON 6 VENÖSEN 
Atelier des Bildhauers Andre X, im Pariser Börsenviertel. Geniale 
Unordnung,- Teppiche, Vasen, Felle auf dem Boden und den Stühlen. 
Ein Vorhang trennt das Atelier von einem kleineren als Garderobe 
dienenden Vorraume. 
yVonne (erstaunlich jung und unkorpulent für eine Bankiersgattin, 
tritt hastig ein und wendet sich an Andre, der ihr folgt); Sie haben 
midi verstanden, Andre? . , . Sein Detektiv läßt mich nicht aus den 
Augen. Ich sah sein Auto dicht hinter dem meinen. Und da die 
Pharusbank nur drei Schritte entfernt ist . . . (seufzend) leider. .... 
Andre: ... so werde ich gleich einen Stuhl für Ihren Gatten mit 
freimachen. 
Yvonne: Ganz recht, (zärtlich): Umarmen Sie mich rasch, Andre. 
Und sagen Sie mir, ob Sie Ihr Modell instruiert haben. 
Andre: Gewiß, alles nach Verabredung. (Horcht auf.) Pst, . . . 
da knarrt das Treppengeländer. 
yvonne: Das ist er. O, er hat Beine, wenn es gilt, mir nach» 
zuspüren! Gehen Sie von der Tür fort, Andre, damit er durchs 
Schlüsselloch gudcen kann, (laut): Cher maltre, ich bitte Sie Still 
schweigen zu bewahren. Es soll eine Überraschung sein. 
Andre (noch lauter): Ich verstehe, Gnädigste. Gehen wir also 
gleich ans Werk. Legen Sie sidi bitte auf den Divan (hilft ihr). 
Die Ateliertür springt auf. Bankier Malquenouille, hochrot, 
außer Atem, stürzt wütend herein, yvonne stößt erschreckt einen 
Schrei aus und richtet sich halb vom Divan auf, den Gatten ansehend. 
Malquenouille: Halt da! Eine 
schöne Überraschung, das ... . 
(zu Andre) Herr, was unter 
fangen Sie sich . . . ? 
Andre (mit einem Tonklum 
pen beschäftigt): Sie sehen ja, 
Verehrtester, ich bin im Begriff, 
Ihre Gattin zu kneten. 
Malquenouille: Sie wählen 
Ihre Ausdrücke recht sonderbar. 
Kneten Sie, wen Sie wollen, 
aber nicht meine Frau. Willst 
du mir erklären, yvonne .... 
yvonne: Das ist ja nun 
zwecklos. Führe mich bitte nach 
meinem Auto. Sie entschuldi 
gen die Störung, Meister. 
Malquenouille: Zum Teufel, 
ich will wissen, für wen du didi 
auf den Divan legst. 
yvonne: Für die Pharusbank, 
damit du dich beruhigst. Du 
sagtest mir doch, ihr wolltet eine Skulptur anbringen im Säulengange 
des Neubaus. 
Malquenouille: Allerdings, eine Antike, ..... wenigstens 
wünscht das Laverge. Er will dem Aufsichtsrat imponieren mit 
seinem Kunstfimmel. Der alberne Laffe. Als ob er nur allein Ge 
schmack hätte. 
Andre: Natürlich nicht. Und da ich für die Diana im Bank 
foyer den Kopf seiner Gattin kneten mußte . . . 
Malquenouille: Na, daß er Sie nicht ihre Beine kneten ließ, ist 
klar. Da hätten Sie zu kneten gehabt. 
yvonne: So glaubte ich wenigstens im Säuiengange figurieren zu 
können. Mit diesem Modell hättest du den Aufsidhtsrat überrascht. 
Aber es scheint, daß Madame Laverge den Vorrang hat, ebenso wie 
Laverge in eurem Bankkonsortium. 
Malquenouille: Schockschwerenot, nein (zu Andre, zornig): 
Modellieren Sie also, in drei Deubels Namen. (Wirft sich in einen 
Sessel.) Aber rasch. Iah muß nach der Börse. 
Andre (das Modeliierholz weglegend): Ich denke eben daran. . . . 
Es wird überhaupt nichts daraus werden. Mein Modell ist mir da 
vongelaufen. Sie verstehen, . . . das Modell für den Körper. 
yvonne (sich aufrichtend). Schade. . . . Dann wird Laverge einen 
Vorsprung gewinnen. Er hat sicher schon Schritte getan. 
Malquenouille: Höchst unangenehm. Warum sagtest du mir nicht. . . 
Andre (die Modellierbank beiseitesetzend): Von Madame kann ich 
doch nicht verlangen . . . 
Malquenouille (auffahrend): Wieso . . . nicht verlangen? Glauben 
Sie, meine Frau sei schlechter gebaut, als Ihr schäbiges Modell? 
Andre: Ich dachte, . . . weil Sie so zornig waren. . , . Wenn 
Sie also bereit sind ... 
Malquenouille (nach einigem Zögern): Ja, aber nur wenn es rasch 
geht, . . . und wenn es niemand 
erfährt. Ich halte auf meine 
Hausehre . . . und nur unter 
strengster Verschleierung. Ich 
werde das selbst besorgen. 
Andre: Das geht nicht. Sie 
wissen ja gar nichts von dem 
Entwürfe. Lassen Sie Madame 
allein die Vorbereitungen treffen. 
(Führt yvonne nach der Gar 
derobe, zurückkommend.): Sie 
müssen mir außerdem bei der 
Figurenstellung helfen. 
Malquenouille: Wer .. . ich? 
Andre (Stühle wegräumend): 
Allerdings. Wenn ich gleich das 
gesamte Modell liefern soll. 
Können Sie auf allen Vieren 
laufen? 
Malquenouille: Herr, mir 
scheint, Sie halten mich zum 
Besten. 
Andre (wirft ihm ein großes Fell über): Keineswegs. . . . Sie 
müssen mir helfen. Lassen Sie sich mal auf die Knie nieder 
so ... und nun auf die Hände. 
Malquenouille (unter dem Fell, niesend): Das halte ich nicht aus! 
Verfluchte Weiberiaune! Die Haare stechen mich in die Nase! 
Andre: Und nun will ich Ihnen rasch die Hörner aufsetzen.
        
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