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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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Dem Lärm entrückt der großen Masse, 
Sitz ich auf meinemWolkenthron, 
Manoli rauchend, Marke ,,Klasse” 
Und auch die Marke „Suggestion." 
Denn da nur feinste Tabaks-Sorten 
Für die Manoli man verbraucht. 
Fühlt sich wie an des HimmclsPforten 
Der Kenner, der Manoli raucht. 
Er faßte nach der Blonden und tanzte mit ihr auf dem Linoleum. 
Seine Bewegungen waren exzentrisch, grotesk und wenig anständig. 
Er sah den grellen Saal in Kreisen 
um seinen Kopf rasen. Der Busen 
der Blonden wogte an seiner Brust 
empor. Er taumelte und sprang und 
brüllte: »Oija, oija, oijaja!« 
Als er sich wieder setjte, standen 
dicke Tropfen auf seiner Stirn und 
er roch stark nach Schweiß. Die 
Blonde taumelte an seiner Hand und 
fiel schwer auf einen Stuhl. 
Schilter sah mit feindseligem Ekel 
auf sie. Dann wandte er sich an Jack 
und sagte mit verzückter und ge 
zierter Betonung: 
»Sie tanzen sehr gut! Das kann 
hier niemand !« 
Jack atmete mit offenen Lippen, 
ganz erschöpft von der Brunst, die 
in ihm war. Seine Augen sahen 
starr weiß aus den Lidern. 
Die Blonde erholte sich und for 
derte Wein. Sie trank und legte 
ihr Knie über Jacks. Er bückte sicti 
und faßte es zwisdien die Zähne. 
»O,« kreischte Schilter schmerzlich 
auf. »Sie wollen mich eifersüchtig 
machen!« 
»Lassen Sie mich!« herrschte ihn 
Jack mit wilden Augen an. 
Schilter sah ihn starr an und stürzte mit affektierter Ver 
zweiflung aus dem Separee. 
Die Blonde prustete auf und verschluckte sich. Sie keuchte 
Jack zwischen ihren Hustenanfällen an : 
»Laß ihn laufen, das perverse 
Sdiwein !« 
Jack faßte mit breiter Hand nadi 
ihrem Hacken. Sein Oberhemd 
hatte sich beim Tanzen verschoben 
und stand über der Brust eine Hand 
breit offen. 
Sie sah lüstern durch den Spalt. 
»Was du für Haut hast, wie 
Ebenholz!« 
Jacks Gesidit verdüsterte sicti 
einen Augenblick lang. Er knöpfte 
das Oberhemd hastig zu. 
»Lassen Sie das!« sagte er kurz. 
»Es ist besser, weiße Haut zu haben.« 
Sie rümpfte die Nase. 
»Pah, weiße Haut! Das kann 
man hier jeden Tag haben. Aber 
schwarze . . • ?« 
Jack trank. Das Linoleum im 
Saal schaukelte langsam auf und ab. 
Die Leute, die da tanzten, waren 
sehr geschickt, daß sie nicht liin- 
fielen. Die viele weiße Haut! 
Es stieß ihm auf, und er seufzte: 
»Oa!« 
Die Lampen hüpften wie an 
Gummischnüren auf- und abwärts. 
Das war ein sdiönes Variete, ein 
gutes Variete! 
Die Blonde se^te sidi auf seinen Schoß. Er fühlte ihre 
Sdienkel über den seinen und lachte mit aufgedunsenem Gesicht. 
SATYRIN 
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