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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

liehe Einrichtung für 
Augen- Untersuchung 
Der junge Mann lächelte 
mit feuchten Lippen. 
»Wer sollte diesen Körper 
je vergessen! Ich werde jeden 
Abend im Zirkus sein.« 
Der Kellner fuhr ein be 
ladenes Anrichtetischchen auf 
Rädern nach lacks Separee. 
Ein Pikkolo trug ein Tablett, 
auf dem sich Delikatessen 
häuften, hinterher. Ein ande 
rer keuchte unter einem Küh 
ler, aus dem mehrere Sekt 
köpfe glänzten. 
»Die Amerikaner haben 
ein Schweinegeld!« knarrte 
eine Stimme. 
Der junge Mann se^te sich 
ungefragt an den Tisch, lack 
ließ für ihn mitdecken. ^ 
Eine Kabarettnummer un 
terbrach den Tanz. Auf dem blanken Linoleum 
Saales hüpfte ein blondes, üppiges 
und sehr weißes Mädchen. 
Sie zwitscherte und warf die 
Beine, daß die Dessous um ihre 
Knie schaukelten. Der Schatten 
zwischen ihren Brüsten tanzte im 
Ausschnitt auf und nieder. 
lack trank und aß viel mit 
schmähendem Behagen. Da 
zwischen sahen seine weißen 
Augäpfel nach der Blonden. 
Schilter goß sich Sekt ein. 
»Diese Weiber!« Er verzog 
den Mund. »Sie sind unerträg 
lich weich. Bah!«i 
lack grinste. Seine dicke Un 
terlippe stand lüstern vor. 
»O, es ist gut, daß sie weich 
sind!« 
Schilter zuckte die Achseln, 
trank aus und goß sich wieder 
»Ich liebe Muskeln, Kraft.« 
Seine Blicke kosten unter 
lang bewimperten Augen um 
Jacks sehnige Hände. 
Die Blonde war mit ihrer 
ersten Hummer fertig und redete 
heftig auf den Kapellmeister ein. 
Jack aß und trank. Er war 
sehr zufrieden. Er fühlte seinen 
Magen wie eine warme, wohlige 
Kugel im Leib sitjen. Die bun 
ten Lampen flammten durch den 
Zigarettenrauch. Von drüben 
nickte der rote Kopf der Bar 
dame ihm zu. Er knabberte mit glänzenden Zähnen Konfekt und 
dachte fliichlig an seine Irrwege in der Nacht. 
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der Mitte des Die Blonde machte den Mund 
Erhältlich in allen einschlägigen Geschäften, 
wo nic6t vorhanden, weisen Bezugsquellen nach. 
Seidenstrümpfen standen wie ein 
tobte. Jade stand auf. Der Wein 
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gewesen. Nun, die Beine 
auf den Schienen hatten die 
Schuld und das verteufelte 
Pech mit den Hotels und das 
Wetter. 
Die Blonde tänzelte er 
wartungsvoll in die Mitte des 
Saales und lächelte ihn mit 
dreister Verheißung an. 
Der Kapellmeister hob den 
Arm. 1 recke tick tick, trecke 
tick tick selten die Geigen 
hackend ein. 
Jacks Füße zuckten. Ame 
rikanische Varietes stiegen 
vor ihm auf, Heimat. Die 
ser Rhythmus machte ihn re 
bellisch. Er fühlte Lust, in 
die Hände zu klatschen und 
den Bauch zu drehen, 
rund auf. Sie schlug mit den 
Stöckelabsätzen nach rückwärts 
und trippelte auf Jack zu, ihm 
den Busen entgegensenkend. 
Dann begann sie mit flirrender 
und greller Stimme den Schla 
ger zu singen: 
»Schwarzer Mann 
kam plöblicb an 
direkt aus Afrika.« 
Sie widi zurück, kam näher 
und schwänzelte in gemeiner 
Sdiam mit dem Rock. 
»Weißes Ding 
gleidi Feuer fing, 
sah ihn ganz begeistert an.« 
Alle drehten sidi nach Jack 
um und lachten. Er zwirbelte 
Brotkrumen zwischen den Fin 
gern. Es zuckte ihm uni die 
Hase. Er mußte krampfhaft lä 
cheln, von einem Ohr zum an 
dern. Der Wein stieg ihm röt- 
lidi in Augen und Schläfen. 
Die Blonde flötete: 
»SchwarzerMann,wie heißest du? 
Tschi tschi bu—u—tsdii! 
Klingt ja ganz wie Poesie! 
So was hörte ich nodt nie!« 
Sie kam lack ganz nahe und 
sah ihn aus sdiiefen Lidern an. 
Dann sprang sie mit einem Ruck 
zurück, warf Kußhände nach ihm 
und drehte sich so sdinell, daß 
ihr die Röcke über den Kopf 
stiegen. Die dicken Beine in 
Kreisel unter ihr. Alles kreischte, 
und der Lärm machten ihn wild. 
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