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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

D ie Liebe des Mannes geht - durch die Nase! 
Diese Variation eines alten Sprichwortes hat 
unbedingt ihre Berechtigung. Zwar ist es noch nicht 
allzu lange her, daß in Deutschland die »Duftfrage« 
eine größere Rolle spielt, aber 
heute ist die richtige Parfümie 
rung für die Dame von Welt, 
ja sogar für den Herrn, eine 
»Staatsangelegenheit«. Unsere 
in diesen Dingen erfahreneren 
westlichen Nachbarn hatten die 
Bedeutung der Kosmetika Jahr 
zehnte früher erkannt, und liegt 
darin der Grund, weshalb vor 
dem Kriege Parfümerien im 
Werte von vielen Millionen 
Mark von Frankreich eingeführt 
wurden, während deutsche Er 
zeugnisse, mitunter sogar unter 
französischer Flagge, von uns 
ins Ausland wanderten. Das 
Vorurteil der Deutschen gegen 
einheimischeErzeugnisseist leider 
noch immer nicht vollständig 
beseitigt, obgleich feststeht, daß 
unsere neuzeitliche Parfümerie 
kunst auf gleicher Höhe wie die 
der ausländischen Konkurrenz 
steht, und in Bezug auf Grundstoffe sich auf eine 
einheimische chemische Industrie stü^en kann, deren 
Weltruf unbestritten ist.-Ähnlich'wie derTonkünstler, 
komponiert der »Duftchemiker« eine neue Schöpfung, 
die, wenn sie den Geschmack der Zeit trifft, ebenso 
wie ein Foxtrott oderShimmy über die ganze Welt geht. 
Aber nicht allein der Inhalt muß erstklassig sein, 
sondern auch das Äußere des Parfüms muß ihm auf 
den »Leib komponiert sein«. Der Wohlgeruch kann 
noch so anhaltend und vornehm sein, die Hülle muß 
ein feinerFlakon,dieLagerstätte ein elegantesEtuisein. 
Um wirklich Vollendetes auch in dieser Richtung 
zu erreichen, haben die deutschen Parfümeriefabri 
kanten die besten graphischen 
Künstler herangezogen und sich 
von bekannten Bildhauern Fla 
schenmodelle anfertigen lassen. 
Eine Parfümeriefabrik, deren 
Erzeugnisse Weltruf genießen, 
hat uns entgegenkommender 
weise einige ihrer letzten Schöp 
fungen zur Verfügung gestellt 
und zeigen die Abbildungen, wie 
selbst die Mode auf dieFlaschen- 
form ihren Einfluß ausübt, d. h. 
daß der Bildhauer bestrebt ist, 
dem Geschmack der Zeit auf 
jeden Fall Rechnung zu tragen. 
Wie die Packungen den Stem 
pel des Persönlichen tragen, so 
muß bei der Auswahl eines Par 
füms auch von seiten der Ver 
braucher stets danach getrachtet 
werden, einen seinem Charakter 
entsprechenden Geruch zu kau 
fen. Vor allen Dingen aber sollte 
man besonderes Augenmerk dar 
auf richten, daß keine aufdringlichen Gerüche ver 
wendet werden. Sie könnten allzu leicht zu falschen 
und unangenehmen Rückschlüssen Veranlassung geben. 
Welchen großen Einfluß Wohlgerüche auf das 
Sinnenleben ausüben, beweist am besten die Ge 
schichte des Orients, wo seit altersher der Gebrauch 
von wohlriechenden Salben und balsamischen Düften 
bei allen Zeremonien, in jedem Kult, im Harem und 
in der Moschee eine hervorragende Rolle spielte. 
Erzeugnisse der Tirma Lehmann S) Bohne, Berfin SW.
        
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