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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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Szene aus „Der Vufftan’’ im Tfrianon = Theater. 
Engen Burg. Ofgu Limimg. 
geradezu berauschende Schönheit der Carola 
Toelle auch über die ärgsten Untiefen hinweg 
hülfe. Es scheint allerdings, als ob diese 
Schauspielerin, an sich gar nicht unbegabt, 
durch ihre Schönheit an ihrer Entwickelung 
gehindert wird, denn sie fängt allmählich an, 
etwas schablonenhaftes zu bekommen und 
schwebt in Gefahr, das zu werden, was man 
am Iheater »seelenlose Maske« nennt. Und 
das wäre schade. Darum raten wir Ihnen, 
mein gnädiges Fräulein, Ihre Seele, die, natür 
lich rein bildlich mit Heine gesprochen, vom 
süßen Wein und Küssen krank geworden ist, 
durch einige Bitternisse ‘ zu kurieren — das 
heißt, ein wenig in die Tiefe zu steigen und 
am Leben für die Bühne zu lernen. 
111. 
Im Staatstheater gab es Morit, Heimanns 
»ArmandCarrel«. Wie alles von diesem Autor: 
feinnervig bis zum Kränklichen, geistig bis zum 
Überschraubten und jenes Impulses entbehrend, 
der lebten Endes das bewegende Element alles 
und jedes dramatischen Geschehens ist, ein 
Werk für die Feinen und Wenigen, die im 
Theater esoterische Freuden suchen, und ein 
neues Scheunentor für die große bunte Kuh, 
genannt Publikum. Dr. Victor GoCcfscttmicft. 
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I. 
ir, die wir die Dreißig überschritten haben, konnten 
die neue Aufführung des »Cyrano«, so trefflich an sich 
sie gewesen sein mag, nicht ohne leise Wehmut betrachten, 
stieg doch vor unserem geistigen Auge unvergeßlich allen, 
die ihn einmal erleben durften, das Bild Josef Kainzens in 
seiner zwar nicht tiefsten und größten, aber glänzendsten 
und prächtigsten Rolle auf, und über uns kam ein wehmut 
volles Erinnern, wie wir einst so glücklich waren. 
Irotjdem: Diese Verse Fuldas sind ja nicht tot zu kriegen 
und wirken nach einem Vierteljahrhundert herrlich wie am 
erstenTage. Diese Übersetzung ist der Rekord jedesSprach- 
virtuosentums. Der französische Autor könnte sich etwas 
einbilden, wenn er dem deutschen in dieser Hinsicht nur 
an die Hüften reichte. Werner Krauß, Mady Christians 
und Walter Jansen waren prachtvoll, und wir gönnen der 
Jugend von Herzen, sich an dieser Aufführung zu freuen — 
aber uns wird sie die alte doch nie ganz ersehen können. 
II. 
»Das kleine Schokoladenmädchen« im Kleinen Theater 
wäre ein belangloser Schmarren, wenn nicht die manchmal 
„Das ftfeine Scfoftofadenmätfcfen" im Kfeinen Theater. 
Hans Äthers. Eiten Tietz. 
Photos: "Zander £> La hi sch.
        
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