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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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Auch mit der Musik ist’s ziemlich einfach. Wer Tschaikowskis Bar 
carole, eine Romanze von Rubinstein, oder gar noch ein Präludium 
von RachmaninofF kennt, kann schließlich zur Not schon mitreden. 
Verdammt schwierig ist’s einzig und allein mit der Malerei. Man 
und Hinterlassenschaften verschiedener Kunstperioden, vereint mit 
parvenühafter Grazie oder einem Haut-goüt kultivierter Primitivität, 
oder nur rein stilistischen Raffinements — berechnet für das ver 
wöhnte Auge des russischen Ästheten. Die innere Kraft der neuen 
“Zeichnung von W. Scfmcßajeiv. 
sieht schließlich ein, daß man mit Somoff und Wereschtschagin allein 
sich nodi an keiner Kontraverse über russische Malerei beteiligen 
kann. Und wer sich heute in Berlin nicht dem Ruf der Unbildung 
aussetjen will, muß etwas über Repin und Seroff sagen können. 
Glücklicherweise erscheint in Berlin seit einiger Zeit eine gut 
illustrierte russische Kunstzeitschrift »lar-Ptiza« (Verlag A. Kogan), 
die allen, die von russischer Kunst beseelt sind, wirklich gute Kunst 
vermittelt. Die hier abgebildeten Werke zeigen, wie nahe die 
russische Malerei in ihren wesentlichsten Punkten einem archai 
sierenden Manierismus steht, der aufgebaut ist auf Stilelementen 
Sinnlichkeit, die unserer Zeit den Willen strafft, fehlt dieser Kunst. 
Aber in der Anschauung des Verlaufs einer Entwicklung wird das 
kundige Auge nicht an der Individualität und dem Typischen der 
russischen Kunst vorübergehen können. Da sind die Varjäger 
Roerich und Bilibin zu nennen (dem Eingeweihten bekannt aus 
»Mir - Iskusstwa« und »Apollon«), der Byzantiner Stele^ki, die 
Narbut, Sudejkin, Krimoff, — von den jüngeren findet man Gri- 
gorjew und vermißt allerdings noch einige der Besten. 
Die »lar-Ptiza« gehört auch in buchtechnischer Hinsicht zu den 
besten Zeitschriften, die heute noch herausgegeben werden.
	        
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