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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

4. 
äeicfynungen u o n ß o C Ce r. 
„Nacüttänze, Herrjraaf?. .. Stußßen/" 
as ich Ihnen 
hier erzählen 
will, kann ich mir 
eigentlich sparen, 
denn viel schöner 
und künstlerischer 
tut das jeden Abend 
Curt Gerron in 
der »Wilden Büh* 
ne« mitseinemwun» 
dervollen Couplet 
» Friedrichstfaße «. 
Aber ich denke, 
treue Freunde des 
»Berliner Lebens«, 
ihr werdet nicht 
alle Gelegenheit 
haben, unser teueres Berlin in den nächsten Mo 
naten aufzusuchen und zur »Wilden Bühne« zu 
gehen, und darum erlaubt, daß ich euch, vielleicht 
weniger schön, aber ebenso eindringlich vom nächt* 
liehen Straßenleben Berlins erzähle. 
Gewiß, das ist im Frieden auch nicht reine 
Seide gewesen. Die Gegend um den Stettiner 
Bahnhof herum, mit den Romantikerstraßen, war 
von jeher etwas unheimlich. Billige Weiblichkeit 
flanierte, genau an ihre, na, sagen wir Linie 
gebunden und war umgeben von ihren »Be 
schützern«. Da standen Herren in Gruppen 
beisammen, denen man ansah, daß sie ungefähr 
um 8 Uhr abends aufgestanden waren, Kerle, 
die fähig waren zu jedem Verbrechen und wohl 
auch ausnahmslos im »Roten Alex« wohlbekannt. 
Die sind natürlich dageblieben. Außer dem 
Honorar für ihre Fräulein Bräute hat sich da 
nichts geändert, nur haben sie aufgehört, sie und 
ihresgleichen, sich auf den hohen Norden zu be* 
schränken. Sie sind vielmehr hereingekrochen wie 
giftige Insekten bis tief in den Westen der Stadt 
und haben jene berühmte Filiale eröffnet, die der 
kundige Thebaner die »hysterische Edke«, Jo* 
achimsthaler Straße, Ecke Kurfürstendamm, nennt. 
Eine zeitlang war es an dieser Ecke fast 
ebenso unerquicklich, wie in der Dunkelheit der 
Tiekstraße. Wer seine Brieftasche lieb halte 
und dort vorbei mußte, ließ sie am besten zu 
Hause. Seit das alte »Größenwahn« aber seine 
Pforten geschlossen hat, ist es etwas besser ge 
worden, und nur die verhältnismäßig harmloseren 
Gestalten der Nacht haben sich wie überall, so 
auch an dieser Ecke gehalten. 
Da ist vor allem der Mann, der ohne Ge* 
werbeschein Zigaretten handelt. Du kommst an 
ihm vorüber und er zischt dich an wie eine 
Schlange, meint es aber nicht böse. Das langgezo* 
gene »Z« 
bedeutet 
nur den 
Anfangs* 
buchsta* 
ben von 
Zigaretten 
und Zigar 
ren. 
Kommst 
du ihm 
aber näher, 
so wird er 
in die rech* 
. te Westen 
taschegreis 
fen und da» 
zu mit tie* 
fer, rauher 
„Herr WaSmeesta . . . ßup . , . tvoffn se rtieß . . . 
fiup , . . een ausjeßm?°
        
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