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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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Dom DLnn.or~ja.ckot zur 'Canzjacke. 
Cin& m o d i s c£ e Studie u o n ub e rt D7C i k e 11 a. 
" s ist, als ob die politische Umwälzung, die in 
H unserem Lande durch den Krieg gezeitigt wurde, 
auch eine Umwälzung auf dem Gebiete der Mode 
mit sich gebracht hätte. Was wir 
^1 J früher niemals für möglich gehalten 
hätten, ist tatsächlich eingetreten: Der 
traditionelle Fradc, der Aristokrat im Kleider 
schrank des Herrn, ist, wenigstens vorläufig, 
durch den demokratischen Smoking aus dem 
Ballsaale verdrängt worden. Da hilft kein 
entschuldigendes »wenn« oder »aber«, der 
Frack ist ein rein offizielles Kleidungsstück 
geworden und der Smoking ist nach 6 Uhr 
abends bei jeder gesellschaftlichen Gelegen» 
heit der vorherrschende Abendanzug. Ob 
mit oder ohne Berechtigung dürfte erst eine 
spätere Generation entscheiden können. Denn 
trotzdem viele dem kleidsamen Frack, der dem 
gesellschaftlichen Gesamtbild eine so vollendet 
elegante Note verlieh, nachtrauern werden, 
haben wir uns bereits zu sehr an den Smo» 
king gewöhnt, um zu einem objektiven Urteil 
fähig zu sein. Jedenfalls ist es interessant, 
die kurze Ent» 
wicklungsphase 
des Smokings zu 
verfolgen. 
Das »dinner» 
jacket« ist eine 
Schöpfung 
Eduards VII., 
des königlichen 
Dandys, Bei 
Essen im intimen 
Kreise oder bei 
Klubabenden liebte er es, der 
Bequemlichkeit Konzessionen 
zu machen, ohne jedoch zu 
sehr die feierliche Note des 
Abends zu schädigen. Zum 
allgemeinen Erstaunen er» 
schien .er eines Abends im 
Picadilly-Clubin einem sakko 
ähnlichen, kurzen Kleidungs» 
stück mit langen Seidenrever» 
sen, die sich in einer breiten 
seidenen Bahn nach unten fort 
setzten. Taschen und Knöpfe 
fehlten. Dazu trug der Prinz 
ein weiches Faltenhemd, das 
bis dato zum Frack unmög 
lich war. In größerer Damen» 
gesellschaft war natürlich das 
»dinner-jacket« verpönt. Es war für den Klub bestimmt, 
für die Intimität des eigenen Heims, den Badeort. Dieses 
»dinner»jacket« war der Vater unseres »Smokings«. Der 
Name »Smoking« scheint ein Mißverständnis 
zu sein. Unter »smoking-jacket« versteht 
der Engländer eine Art Kaminjacke, die wir 
kaum kennen und die auch in England in 
den breiten Schichten wenig bekannt ist. Das 
»smoking»jacket« ist aus Seide und ziemlich 
kurz gehalten. Es hat bunte Aufschläge und 
Manschetten und wird z. B. auf Landsitzen 
nach dem dinner getragen, wenn sich die 
Herren ins Spiel» und Rauchzimmer zurück» 
ziehen. Der englische Aristokrat benutzt 
seine Wappenfarben zum Ausschlagen der 
Jackettreverse, sie existieren also goldgelb, 
dunkelgrün, schottisch kariert usw. Dieses 
»smoking-jacket« ist in Wahrheit ein Rauch 
jackett, während unser Smoking gar nichts 
damit zu tun hat und viel eher Frack 
jackett heißen sollte. Indessen haben wir 
uns so an die Benennung »Smoking« gewöhnt, 
daß alle Neuerungsversuche scheitern dürften. 
Das »dinner» 
jacket« wurde 
zunächst von den 
Franzosen über 
nommen und war 
zuerst in der 
Pariser Grand- 
Opera zu sehen, 
wo es in einer 
Loge von einigen 
Pariser Dandys 
getragen wurde. 
DieForm war allerdings etwas 
variiert. Zum ersten Male 
tauchte der seidene Schal 
kragen auf, der Durdisteck- 
knopf und die Taschen, d. h. 
zwei Seitentaschen und eine 
äußere Brusttasche, die zur 
Aufnahme für das Taschen 
tuch dienen sollte. In ver 
schiedenen Macharten, meist 
den jeweiligen Sakkoformen 
angepaßt, wurde der Smoking 
nun auch in Amerika und 
Deutschland eingeführt. Viel 
fach, besonders von Ameri 
kanern, wurden zum weichen 
Smokinghemd Stehumlege 
kragen getragen, die den 
Die Ursprung fidie Torrn 
des Smokings, die jetzt 
wieder in Eng fand pro 
pagiert wird. 
Amerikaniscßes ModefT 
von 19o 5. 
Die französische Torrn 
des Smokings.
        
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