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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

Mimmi war indessen in dem Mayerschen Hause 
bereits vorhanden, und es ist leichter eine höchst 
raffinierte Dackelhündin in eine wohlsituierte Familie 
einzuführen, als den Versuch 
zu machen, ihr eine sieghaft 
erkämpfte Existenz daselbst 
streitig zu machen. Hier aber 
könnte ich mit dem Anfang 
meiner zu erzählenden Dackel 
anekdote, nach all den er 
forderlichen Voraussetzungen, 
wieder beginnen. Also! 
In ihrer Jugend, allerdings 
nur in ihrer allerfrühesten, war sie ein Ausbund an 
Tugend. Es besagt nicht viel, daß sie im Salon 
lowelen, Perlen 
Plargraf & Co. 
Kanonierstr.9 BERLIN Tauenlzlemtr.lSa 
Besondere Einkaufs-Abteilung 
kommen. Laut und klaffig schimpfend behandelte sie 
ihn „en canaille“, so daß die Herrenwelt dieses sel 
tene Exemplar von Jungfräulichkeit bald in einem 
weiten Bogen umging. 
Aber die immer unzufrie 
dene Frau Mayer wußte auch 
diese belobenswürdige Züch 
tigkeit zu Mimmis Ungunsten 
auszulegen. „Ich weiß nicht, 
was wir an dieser Mimmi 
für ein Geschöpf haben“, sagte 
sie gelegentlich eines Spazier 
ganges, den der Dackelback 
fisch als unabänderlicher Trabant begleitete, zu ihrem 
Lieschen. „Sie ist so abstoßend, so unsympathisch, 
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einen kunstvoll gewebten Smirnateppich durch mehr 
malige versteckte Portiönchen, die sie heimlich, wie 
die Henne ihr Ei, in die ab 
geschiedene Stille fallen ließ, 
in schlechten Geruch versetzte, 
es besagt nicht viel, daß sie 
eines Morgens in dem Anflug 
von guter Laune Lieschen 
Mayers neue Pelzgarnitur aus 
Iltisfell unter großem Behagen 
verzehrte, ebenso wenig wie 
etwas dadurch bewiesen wird, 
daß zuweilen erheblicheQuan- 
titäten aus Küche und Speise 
kammer spurlos von der Bild 
fläche verschwunden waren. 
Wer will bei dem vielen Haus 
gesinde undBräutigamsappetit 
dies einer harmlosen Dackel 
hündin zur Last legen, die 
sich nicht einmal verteidigen 
kann. 
Aus dem Frühling ihrer 
ersten Kindheit heraus wuchs 
Mimmi in Kürze ins holde 
Backfischalter hinein. Aber 
noch zeigte sich bei ihr kei 
nerlei Verständnis für das männliche Geschlecht. 
Wehe dem galant und zärtlich schwänzelnden Hunde- 
avalier, der es wagte, ihr mit der Nase zu nahe zu 
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ja, wahrscheinlich so unästhetisch, daß der rasselose 
ste Köter ihr mit aller Schonung aus dem Wege 
geht. Und dabei ist es eine 
Hündin!“ Etwas wie belei 
digter Stolz klang bei diesen 
letzten Worten durch, daß man 
einerGeschlechtsgenossin und 
dazu noch einem Mitglied der 
Mayerschen Familie nicht die 
genügendeEhrerbiefungzolIte. 
Mimmi hafte aufmerksam 
ein wenig den Kopf erhoben, 
von dem flüchtigen Schall, 
der da in ihre lappigen Ohren 
geflattert war. Ich will nichts 
gesagt haben, aber man sollte 
vor einem Dackel nie laut 
reden. Genug, Mimmi 
war plötzlich zu den kühnsten 
Frühlingsgefühlen erwacht. 
Man kann sich keinen Begriff 
von ihrer auffälligen, ja ge 
radezu unerhört haarsträuben 
den Koketterie machen, die 
sie von jenem Ausgang an 
entwickelte. Ihr Kopf mit den 
rassereinen, bis zur Schnauze 
hängenden Ohren*flog nur so nach rechts und links, 
ihr Schwanz wippte affektiert in den kühnsten 
Lockungen, und ihr ganzer reizvoller, schokoladen- 
CFortsetzung auf Seite 22J 
SATYRIN 
SCHAFFT 
JUGEND U KRAFT 
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AKT-GFS HORMONA DÜSSELDORF.GRAFFh!BERG 
lERHALTLICH 1\ APOTHEKEN
        
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