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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

D I e Dackeldirne 
Studius seinem Lieschen 
auf dem Heimweg aus der 
Eiskonditorei unter dringen 
den Beschwörungen abge 
preßt hatte. Ein modernes 
Mädchen wünscht sich kei 
nen Verlobungsring, es 
wünscht sich einen nütz 
lichen Gegenstand oder 
sonst die Befriedigung ei 
ner angenehmen Passion. 
So Lieschen Mayer! Aber 
Frau Regina Mayer, des 
Hauses züchtige Göttin, 
fand in ihrem Sinne der 
Familie unerwarteten Zu 
wachs durchaus nicht pas 
send, und bekrittelte, nach 
dem sie Mimmi scharf und 
zornerfüllt durch ihrLorgnon 
betrachtet hatte, daß es 
erstens schon einmal ein 
Hund, — Gott, ein Dackel- 
und zum zweiten gar eine Hündin sei. 
I n ihrer Jugend, allerdings 
nur in ihrer allerfrühesten, 
war sie ein Ausbund an 
Tugend. Schokoladenbraun 
war sie zum Leben erwacht, 
purzelnd und wackelnd auf 
einwärts tappenden Bein- 
chen, mit einem unverhält 
nismäßig langen Schwanz 
und komisch gekrausten 
Sorgenfalten auf der typisch 
frechen Dackelstirn. Mimmi 
wurde Lieschen Mayers 
Geburtstagsgeschenk, und 
ward ihr am Morgen des 
festlichen Tages, mitsamt 
einer riesigen, um den Hals 
geknüpften Atlasschleife, 
von ihrem Verehrer Kurt- 
chen Rohrdampf in das 
Haus getragen. Mimmi 
nämlich war das verschämt 
gestammelte Geständnis 
nach einem passenden Geburtstagsgeschenk, das der hund —
        
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