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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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kaufen soll, um den entstandenen Schaden wieder zu decken. 
Da taucht aus einer Nebenallee der Vetter Romouald im 
Reitdreß auf. Als er die beiden Jammergestalten erblickt, muß 
er doch unwillkürlich lä= 
cheln. Lachenden Mun- 
des begrüßt er die beiden 
verregnetenSpaziergänger. 
»Kinder, wie könnt 
ihr im April ohne Gum 
mimantel ausgehen?!« 
»Ja, du hast gut re 
den in deinem Gummi» 
Sport-Raglan. Der paßt 
doch nicht zu unsern Pro 
menadenkostümen«, ant 
wortete ihm, mißgestimmt 
durch den unaufhörlich 
niederrieselnden Regen, 
Monsieur. 
»Da befindest du dich 
in einem großen Irrtum, 
mein lieber Fritz, es gibt 
sogar sehr elegante und 
geschmackvolle Promena- 
den-Gummimäntel. Um 
für künftige Fälle gesi 
chert zu sein, gehen wir 
jetzt sofort in eines der 
großen Konfektionshäuser 
Ragfanscßfüpfer für den Reitsport mit und kaufen für deine 
Rücßenscßfitz. Passender Regenßut, Frau und dich je einen 
Gummimantel mit dem 
dazugehörigen Regenhut.« Damit bot Romouald der kleinen, 
hübschen Frau galant seinen Arm. 
umknickt. Und dann denke man an das lästige und unbequeme 
Tragen des Schirmes im aufgespannten Zustande. Wieviel 
Unheil wurde dadurch schon angerichtet, zum Beispiel durch 
das Ausweichen auf der Straße. Ein Umstand, der recht oft Ärger 
und Schaden verursacht. Zerrissene Regenschirme im Straßen» 
gedränge sind an der Tagesordnung. Wie praktisch und dankbar 
ist dagegen der Gummimantel. Gestattet er seinem Besitzer doch 
ein schnelleres Ausschreiten und verleiht ihm auch ein sicheres 
Gefühl gegenüber dem Träger des Regendaches, mit dem er 
nur mit größter Vorsicht gegen den Wind lavieren darf. 
In England hat man, durch die lange Kriegszeit gewitzigt, 
allerlei wasserdichte Stoffe wie Waterproofs und Burberrys zu 
Schutzhüllen gegen die Nässe verarbeitet. Diese Stoffe sind 
sicherlidi sehr praktisch und sehen audi gut aus. Jedoch auf 
die Dauer schützt eben nur Gummi gegen starken Regen, und 
außerdem sind Burberrystoffe für den Durchschnitts-Mittel 
europäer im Preise unerschwinglich. Jeder, der Sport treibt und 
dabei viel der Witterung ausgesetzt ist, wie zum Beispiel der 
Automobilist, der Reiter, der Jäger und der Tourist, wird immer 
einen Gummimantel allen anderen Erzeugnissen vorziehen. 
Aber auch der echte Boulevardtreter sollte in seinem Garde 
robenschrank neben anderen Mänteln stets einen Gummimantel 
hängen haben. Denn bei den heutigen hohen Kleiderpreisen 
muß jeder seine Anzüge soviel wie möglich schonen, und an 
den zahlreichen Regentagen macht sich der Gummimantel mehr 
als einmal bezahlt. 
So wie Monsieur denken noch heute viele Herren. Sie 
lehnen den Gummimantel aus unbegreiflichen Gründen als 
typisches Konfektionsstück ab und halten ihn für durchaus un- 
elegant. Sehr mit Unrecht, denn in den letzten Jahren hat sich 
die Gummimäntel-Industrie außerordentlich vervollkommnet. 
Viele, teilweise sogar sehr elegante Modelle sind auf dem 
Markt erschienen und können die Konkurrenz 
mit manchem Stoffmantel aushalten. Außer 
dem soll ja der Gummimantel ein rein prak 
tisches Kleidungsstück sein, das eben nur an 
Regentagen oder im launischen April seine Berech 
tigung hat. Er soll also nur als Schutzhülle 
gegen die Nässe dienen. Der Gebrauch des 
Regenschirms ist für den Herrn, der besonderen 
Wert auf Eleganz legt, seit Jahr und Tag ver 
pönt. Womit keinesfalls gesagt sein soll, daß 
ein so zweckmäßiges Schutzmittel gegen die 
feuchtende Nässe nicht jederzeit auch beim gut 
angezogenen Mann seine Berechtigung hat. 
Aber an stürmischen Tagen wird der Schirm 
als Schutzmittel illusorisch, da er sehr leicht 
Ein Straßenmantef für Damen 
mit Lederpassepefierung an den 
Näßten. 
Straßenmantef, gummiert und 
imprägniert, Revers offen undge- 
seßfossen, Lederpassepefierung.
        
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