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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

„J cfo komme, g t e i cfi ! " 
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eder weiß, was er von diesem 
in überhastetem, ungeduldi 
gem, etwas verärgertem Ton 
hervorgestoßenen »gleich« 
zu halten hat. Das Dienst 
mädchen, daß es noch eine 
ganze Weile mit dem Pelz 
über dem Arm an der Entree 
tür wird stehen müssen, »er«, 
daß er den Wagenschlag des 
unten harrenden Autos noch 
nicht so bald hinter ihrer 
schlanken Gestalt wird 
schließen können, der 
Chauffeur, daß er trotz 
aller angespannter Pfer 
dekräfte wieder zu spät 
zum Theater kommen 
wird. Denn das »gleich« birgt eine Fülle rasch 
aufeinander folgender Handlungen, die eine 
schöne Frau im lebten Augenblick, bevor sie 
das Haus ver 
läßt, noch vor 
nimmt, um 
ihrer Erschei 
nung das ge 
wisse Etwas 
zu verleihen, 
das ihren 
Charme aus 
macht. »]e^t 
schnell noch 
einen Stich da 
an dem Kleid, 
meine gute 
Anna, denn es 
ist ein Ding 
der Unmög 
lichkeit, daß 
ich mich so 
Die ferste Hand. 
zeige. Wo ist mein Lippenstift? 
Ich weiß bestimmt, daß ich die 
Puderquaste hier in diesen 
Glaskasten getan habe, und 
je^t ist sie nicht da! Gott, 
Anna, haben Sie vielleicht 
meine Schminke fort 
genommen? Und der 
Nagelpolierer ist auch 
verschwunden! Es ist 
wie verhext, daß immer 
alles fort ist, wenn man 
es gerade am nötigsten 
braucht!« »Ich 
komme gleich!« — — 
Ob Frauenschönheit an 
sich existiert, oder ob 
„Ob, Missis sein soo ounderlidt — / 
sie nur sozusagen eine 
Projektion männlicher Meinung ist? Viele 
Männer behaupten nämlich, daß sie an manchen 
Tagen nur hübsche und an anderen nur häß 
liche Frauen 
sehen. Dabei 
muß man doch 
annehmen,daß 
es immer die 
selben Frauen 
sind, die ihr: 
»Ich komme 
gleich!« noch 
zu einem leb 
ten Verschöne 
rungsversuche 
benutzen, um 
ein möglichst 
gefälliges Bild 
vor das männ 
liche Auge zu 
projizieren. 
Renate
        
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