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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

nicht, aber ich glaube bestimmt es war das Bild, 
denn ... er war ein anständiger Mensch. Auf 
weißem Eisbärfell lag Lenchen in verzückter Stellung, 
nur notdürftig mit einigen 
Perlen und einem Hauch 
von Schleiertuch bekleidet. 
Ihre Glieder machten Zuk- 
kungen imTakte der Musik, 
aus ihren Augen sprach 
mehr als Sekt und Liebe. 
Salome, Weib, Sehnsucht, 
Verführung, Hingabe, Ver 
heißung. 
Hans Heinz, überwältigt 
von der fleischigen Enthül 
lung, regte sich nicht von der 
Stelle. „Gib mir Sekt und 
küsse mich, Geliebter!“ Langsam kehrte das Leben 
in ihn zurück. Wie aber dieses Leben aussah, wage 
ich nicht zu beschreiben, denn ich will Lenchen nicht 
beleidigen. Es ähnelte gewiß ihrer Salome. Hans 
Heinz aber ergriff die lebte halbvolle Flasche und goß 
sie sich über den Kopf. Nachdem er sich so überzeugt 
hatte, daß er nicht im Kientopp säße, griff er zum einzig 
Vernünftigen, was er noch zur Hand hatte ... zur 
Flucht. Erst auf der Straße 
wagte er wieder aufzuatmen, 
denn man kann bei Salo- 
meen nie wissen, wie weit 
ihre Rache mitgeht. 
Die Nachnahme für die 
Silvester - Sektrechnung 
löste Lenchen nicht ein, 
denn sie fühlte sich ge 
kränkt, was sogar ich ver 
stehen kann. Hans Heinz 
aber, der doch nicht der 
anständige Mensch zu sein 
scheint, für den er sich 
immer ausgab, reist seit dem 1. Januar in Mineral 
ölen, Felten und Lebertran. Vom Seelenarzt will er 
auch nichts mehr wissen. Im Gegenteil, er läßt sich 
jet?t selbst kurieren, und zwar von den berühmtesten 
Ärztinnen der Friedrichstadt. 
Julius Liehan’s Kfeinfumstbüfne 
Fledermaus 
9 Uhr 
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UNTER DEN LINDEN 14 
ofee Mär*-i>, o 
Entree 
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Setbft Tisenn^Sieschoten 
~Tch habe eine Frau und bin verheiratet, glücklich 
I verheiratet. Die Menschen sagen, meine Frau ist 
■klug, schön, geistreich, eine fabelhafte Tänzerin, 
k urz _ e ine Persönlichkeit. Für mich ist sie Weib, 
Freundin, Geliebte* 
Kameradin. — Man 
sollte mit seiner 
Frau nie zu lange 
Zeit allein sein — 
man erkennt ihren 
Wert erst wieder 
in großer Gesell 
schaft, wenn sie 
von anderen ange 
betet wird. Reiz 
und Gefühl des Be 
sitzes — das vor 
her in satte Behag 
lichkeit ausgeartet 
war. 
Die Ehe macht 
die Menschen zu 
24 
beunruhig! Sie der Gedanke 
an Ihr graues, verfärbtes oder 
verbleichtes Haar, das den Reiz 
Ihrer Persönlichkeit ungünstig 
beeinträchtigt. Denken Sie im 
mer daran, daß es ein Mittel gibt, 
das auf der Basis des seit Jahrtausen 
den im Orient bekannten Naturproduktes 
Henna hergestellt und alte Eigenschaften 
dieser wunderbaren Pflanze besitzt. 
Jeder bessere Damenfriseur in 
Deutschland färbt mit 
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solide — und das ist in mancher Beziehung für die ei 
gene Frau nicht gut. 
Ich gehe auf die Straße — lerne eine Frau kennen, 
wir reagieren aufeinander, tanzen zusammen, ge- 
meinsame Hände, 
Zerregen der Ner 
ven, Augenkosen, 
Gedanken inein- 
andergekrampft, 
Musik - Schlußak 
kord — ich bin 
treu — ich gehe 
auf die Straße — 
kaufe eine Frau für 
eine Viertelstunde, 
gedanken-und we 
sensfremd, bezahle 
sie, ekle mich — 
ich bin untreu. 
Körpermoral — 
heutigeGesellschaft 
Auffassungssache! 
Karyatide,.
        
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