Path:

Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

Juwelen, Perlen 
i*Vcirgreif & 
t Kanonierstr.9 BERLIN Taucntzicnstr.lÄa 
Besondere Einkaufs-Abteilung 
ihres Vermögens wacker Schritt hielt. Ich will nicht 
übertreiben, ganz so schlimm war es doch nicht, aber 
immer noch schlimm genug, um sie Herrn Millerand 
als Frau zu wünschen. 
Hans Heinz aber dachte 
nicht so, denn ... er 
war eben ein anständiger 
Mensch. Er sagte sich ein 
fach, — er liebte nämlich 
die Monologe — „wenn 
Lenchens Schwager mich 
an sie empfiehlt, so ist es 
meine Pflicht als Kavalier, 
ihr einen Besuch zu 
machen. Geschäft ist Ge 
schäft, und das Geschäft 
fragt nicht nach Schönheit 
und Witwenschmerz.“ Und 
er hat recht. Denn seine 
Schuld war es nicht, daß 
Herr Müller in den Tagen 
des blutigen Kapp-Putsches 
an Herzverfettung gefallen 
war. 
„Und sehen Sie, meine 
Gnädigste, der Sekt, ja . . . 
hm . . . hm . . . der Sekt, 
ja er dient nicht der Freude 
allein, sondern auch dem 
Schmerz. Er ist ein Tröster, 
er ist Priesterwort, er gießt 
Balsam in die Wunden und 
kühlt das brennende Leid. 
Sehen Sie, ich bin nicht 
nur Weinreisender, sondern 
auch Seelenarzt, ein Wunderdoktor; meine Arzneien 
helfen immer. Ja . . . hm . . ., Ihnen kann nur der 
Sekt helfen. Jeden Tag ein Fläschchen, und Sie 
werden sehen, welche Wunder derselbe hervorruft 
und daß Steinach ein Stümper gegen mich ist.“ 
„Mein lieber Herr Dok 
tor“, Lenchen schwamm 
in Witwenschmerz und 
Seligkeit, „Sie haben recht. 
Ich bin noch zu jung zum 
Entsagen, zu unverbraucht, 
um meine Pflichten an das 
Leben zu vernachlässigen. 
Gut, ich will die Kur ver 
suchen, aber nur unter einer 
Bedingung: Sie müssen 
mir die Medizin verab 
reichen. Darf ich Sie für 
morgen Abend zu mirbitten? 
nicht wahr, lieber Herr Dok 
tor, ich darf auf Ihre 
Hilfe rechnen?“ 
Hans Heinz schwifffe blu 
tige Tränen bei dieser Er 
öffnung, aber er war ein 
anständiger Mensch und 
dachte ans Geschäft. Er 
strich den Scheitel, der sich 
etwas gesträubt hatte, glatt, 
machte eine kleine Kalkula 
tion und sagte zu. Und er 
kam ... und er kam wieder, 
. .. und er kam noch ein 
mal . . . und er kam regel 
mäßig. Warum sollte er 
auch nicht? Er trank den 
teuersten Sekt seiner Liste 
und amüsierte sich köstlich; man scherzte, lachte und 
unterhielt sich. Sonst blieb Hans Heinz aber weiter 
A.C.STEINHARDT 
UNTER DEN LINDEN 10 und JOACHIMSTHALER STR. 
ECKE KANTSTR. 
AUSSTATTUNGEN 
FÜR HERREN UND DAMEN 
illlinnnii||||iniiini|||iiiimiiuiiiiimii|||iiiiiniiiiiii|iii|iH 
| Vereinigte JZoctefiätiser | 
| Qerson-Trager Qausdorff j 
| Jberttn, 7betteuue.stra.sse 15 | 
Milli
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.