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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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damals als der beste Mann in seiner Gewichtsklasse erwies. Ein 
hervorragender Techniker, glänzend im Angriff wie in der Vertei 
digung, mit einem außerordentlichen harten Schlage ausgestattet, 
steht Prenzel heute allem Anschein nach vor einer großen Zukunft. 
Bei uns schob er sich ganz all 
mählich über F Dubois, W.Bucks- 
zun und Adolf Wiegert in Front 
und ist heute, alle Leute seiner 
Gewichtsklasse weit überragend, 
unbestrittener Mittclgewichts- 
meister. Seine schon erwähnten 
schnellen Siege über die Hollän 
der Weslbroek und Krieger, über 
Wiegert, Buckszun, Böger und 
andere lassen ihm hier keine 
Aufgabenmehr;dernächsteKampf 
dürfte ihn im Auslande mit einem 
erstklassigen Belgier oder Franzo 
sen zusammenführen und ihm Ge 
legenheit geben,seine hohe Klasse 
neuerdings unter Beweis zu stellen. 
Prenzel ist 251ahre alt,etwa 1,72m 
groß und 135 Pfund schwer, also 
verhältnismäßig leicht. 
lin Halbschwergewicht, dessen 
Meisterschaft der Berliner Wa I- 
ter Buckszun innehat, und 
im Weltergewicht, wo der Ber 
liner Adolf Wiegert domi 
niert, haben wir keine große Aus 
wahl; das Mittelmaß herrscht vor. 
Im Leichtgewicht dagegen ver 
fügen wir, obwohl auch hier in 
dem Inhaber der Meisterschaft, 
dem Berliner Richard Nau- 
jocus (124 Pfund), eine über 
ragende Kraft vorhanden ist, über 
eine ganze Anzahl tüchtiger Leute. 
Naujocks, der zuletjt von dem ehemaligen schwarzen Weltmeister 
Dixie Kid, einem der besten Boxer aller Zeiten — er besiegte einst 
den heute so berühmten Franzosen Georges Carpentier in fünf 
Runden — trainiert wurde, ist nicht nur mit gut entwickelter Technik 
begabt, sondern auch 
ein kuragierlerDrauf- 
gänger, der die Vor 
teile seines famos 
entwickelten Körpers 
geschickt auszunutjen 
weiß, ln Deutschland 
hat Naujocks in seiner 
Klasse nichts mehr zu 
fürchten, zumal er 
jetjt in so glänzender 
Verfassung ist — er 
schlug, wie schon 
erwähnt, den in 
Deutschland bisher 
unbesiegten Englän 
der Groves am 16 Ja 
nuar in einer Runde 
knockout — daß er 
wohl auch den her 
vorragenden däni 
sche nLeichtgewichts- 
meister Emanuel Ja 
cobson, der ihn vor 
etwa Jahresfrist zwei 
mal nach Punkten 
besiegte, schlagen 
würde, wenn es zu 
einer neuerlichen Begegnung käme. Voraussichtlich wird jedoch 
das erste Auftreten von Naujocks im Auslande in Holland vor 
sich gehen. 
Im Federgewicht sowie im Bantamgewicht ist bei uns vorläufig 
noch kein Überfluß an wirlliehen 
Könnern, auch scheint hier der 
»Internationale« noch zu fehlen, 
es sei denn, daß sich im Ban 
tamgewicht der kleine Kölner 
Urban Graß (107 Pfund) 
noch dazu entwickelt. Feder 
gewichtsmeister ist der Berliner 
Kurt Sasse (115 Pfund), der 
seinen Titel vor einem Viertel 
jahr von Frit) Rolauf gewonnen 
hat, den er in einem 20-Runden- 
kampf schlug. Aber es scheint, 
als sollte es in diesen Gewichts 
klassen noch einige Umstellungen 
geben, aus denen dann hoffent 
lich auch eine internat onale Kraft 
erstehen wird. 
Der Boxsport blüht heute 
überall im Deutschen Reiche, ln 
Berlin sind der Sportpalast, der 
Admiralspalast, die »Neue Welt« 
und der Zirkus Busch die be 
vorzugtesten Schauplä^e der 
großen Kämpfe oder waren es 
wenigstens zum Teil. Die Freun 
desschar des Boxsports wächst 
beständig, und das Verständnis 
für diesen brillanten Sport, der 
alle männlichen Tugenden weckt 
und fördert, dringt in immer 
weitere Kreise. Hamburg, Köln, 
Düsseldorf, Magdeburg, Hanno 
ver, München usw. sind weitere 
Hochburgen des Boxens, wenn auch Bei lin nach wie vor der 
Mittelpunkt dieses Sports für Deutschland ist. Nach der heute 
kräftig fortschreitenden Entwickelung zu schließen, wird der deutsche 
Boxsport in etwa einem Jahrzehnt vielleicht so weit sein, im 
internationalenWett- 
kampf ein Wörtchen 
mitreden zu können. 
Bis jet^t steht Ame 
rika nodt ziemlich 
unangefochten an der 
Spitje vor England 
und Frankreich. Aber 
auch ihren Meistern 
werden einst deut- 
sdie Gegner erste 
hen, die ihnen be 
weisen werden, daß 
sie nidit untätig im 
Hintergründe ge 
standen, sondern sidi 
einem unermüdli- 
lichen, eisernem 
Training unterwor 
fen haben. Und 
wollen wir hoffen, 
daß unsere Boxer 
die deutsdien Far 
ben würdig vei tre 
ten und nidit ver 
gebens nach dem 
Lorbeer der Welt 
meisterschaft greifen. 
Kurt Prenzeß Beim Training. 
Kurt Sasse afs Sieger. 
Photos: A Groß.
        
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