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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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Dzr Jboxsport in Dcutsdjtand 
A ltere Freunde der »edlen 
c Kunst der Selbstverteidi 
gung« werden sich noch sehr 
gut jener Zeilen erinnern, — 
sie liegen etwas mehr als ein 
Jahrzehnt zurück — in denen 
der Boxsport und seine öffent 
liche Vorführung auf unsere 
Behörden witkte wie etwa das 
rote Tuch auf den Stier. Das 
Boxen galt als roh; an dieser 
Der deutsche Schwergewichts* 
Meister Hans Breitensttäter. 
Auffassung war nun einmal nicht 
zu rütteln. Eine polizeiliche Er 
laubnis zur öffentlichen Abhal 
tung von Boxkämpfen wurde 
nicht erteilt, und wer es trotjdem . 
unternahm, der kleinen Schar 
treuer Boxsportfreunde ein paar 
Kämpfe zu bieten, der mußte 
jeden Augenblick das störende 
Eingreifen der Polizei gewärtigen. 
So zog man denn manchmal von 
der Englischen Straße, wo Mei 
ster Joe Edwards sein Domizil 
hatte, nach dem Marineliaus und 
von dort nach einem dritten Platj. 
Es waren »gute, alte« Zeiten! 
Trotjdem hat sich der Boxsport 
durchgerungen. Davon wird sicli 
jeder überzeugt haben, der Zeuge 
des lebten Berliner Großkampftages im Sportpalast mit seinen 
6—7000 Zuschauern war oder kurz darauf an derselben Stätte der 
Entscheidung der Berliner Polizei - Boxmeisterschaffen beiwohnte. 
Der Polizeipräsident von Einst verbot die Boxkämpfe — der von 
Heute sit^t als begeisterter Zuschauer in der ersten Reihe am Ring 
und neben ihm, nicht weniger interessiert, der Kommandeur der 
Schutzpolizei! 
Daß der deutsche Boxsport trotz seiner Jugend schon ausge 
zeichnete Vertreter hervorgebracht hat, haben die lebten Kämpfe 
deutscher Boxer gegen ausländische bewiesen. Kurt Prenzel, der 
deutsche Mittelgewichtsmeister, besiegte den holländischen Meister 
Weitbroek in einer Runde und den um etwa 17 Pfund schwereren 
liolländischen Halbschwergewichtsboxer Krieger zweimal in ebenso 
kurzer Zeit. Der deutsche Schwergewichtsmeister Hans Breiten- 
sträter hat gegen in- und ausländische Boxer vorzügliche Resultate 
erzielt, und unser Leichtgewichtsmeister Richard Naujocks schlug 
kürzlich den englischen Boxer George Groves, nachdem dieser in 
vierundzwanzig in Deutschland ausgefochtenen Kämpfen unbesiegt 
geblieben, in 2'U Minute »knockout«. Ich spredie hier, wohl 
gemerkt, lediglich vom Berufsboxertum, das bei uns, wie überall in 
der Welt, das große Publikum in erster Linie interessiert. Wohl hat 
auch der Amateurboxsport in den lebten lahren eine erfreuliche Ent 
wickelung genommen, aber hinsichtlich ihres Könnens und in der 
Gunst der Masse stehen die Boxer von Beruf, wie einst die Gla 
diatoren im alten Rom, weitaus an erster Stelle. 
Lassen wir nun einmal die Auslese unserer Boxer Revue passieren. 
Unter den Schwergewichten ragt Meister Hans Breiten 
sträte r, ein gebürtiger Magdeburger, hervor. 24 lahre alt, 
1,78 m groß und 162 Pfund schwer, ist er eine ausgesprochene 
Kampfernatur, ein Boxer, der, 
körperlich völlig ausgereift und 
technisch fertig, dank seines Tem 
peraments und seines Mutes das 
Zeug dazu hätte, auch im Aus 
lände mit vollen Ehren zu be 
stehen. In Deutschland hat er in 
seinem Gewicht keinen Gegner 
zu fürchten; von guten Aus 
ländern schlug er den Engländer 
Harold Rolph, den Schotten Paul 
Murray, den Franzosen Harns, 
den Dänen Johann Eckeroth. 
Miedeilagen erlitt er im Kampf 
mit dem riesigen, um mehr als 
30 Pfund schwereren Engländer 
Tom Cowler und dem französi 
schen Senegalneger Battling Siki, 
der erste internationale Klasse dar 
stellt. Wäh 
rend Cowler 
durch Nie 
derschlag 
siegle, ver 
mochte Batt- 
ling Siki 
es in 
Ridard Naitjodis am Üßungsßad. 
Photos: A. Groß. 
15 Runden nur auf einen, wenn auch ziem 
lich überlegenen Punktsieg zu bringen ln 
der Hand seines passionierten Managers, des 
Rennstahbesibers Th. C. Buß, dürfte Breiten- 
sträter, falls er sich wie bisher weiter ent 
wickelt, dazu berufen sein, den deutschen 
Boxspoit im Ausland noch zu manchem 
schönen Siege zu führen. 
Wie die meisten deutschen Boxer die 
Kunst der Selbstverteidigung während des 
Krieges in englischer Kriegsgefangenschaft 
erlernt haben — Breitensträter hatte vorher 
bereits in den Vereinigten Staaten als An 
fänger Talentproben gegeben — so hat auch 
unser deutscher Mittelgewichtsmeister Kurt 
Prenzel den Grunds'ock zu seinem heu 
tigen hohen Können im Knockalve Camp 
auf der Insel Man gelegt, wo er sich schon 
Adoff Wiegert.
        
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