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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

» TS/Teuntausend Mark ist der äußerste Preis?« Mit 
1 i ihrem bezauberndsten Lächeln sah die junge Frau 
den Ladenbesitzer an, der ihr die kostbaren Pelzmäntel 
selbst vorlegte. »Noch fabelhaft billig, und gnädige Frau 
haben die Sicherheit, daß niemand hier auch nur einen 
ähnlichen Mantel tragen wird.« Ihre Hand strich zögernd 
über das wundervolle Leopardenfell. Es glitzerte gold» 
braun und die dunklen Flecken standen darauf wie große 
Augen. »Ich muß mit meinem Mann darüber sprechen, 
guten Tag.« Schnell schritt sie nach der weit für sie 
geöffneten Tür, blickte flüchtig in die hohen, geschliffenen 
Spiegel und ging nach dem Blumenladen hinüber, aus 
dem gerade ein großer, schlanker und blonder Herr trat. 
»Sdiau, die Lore, da muß 
ich gleich noch mal hinein.« 
Eine Minute später über» 
reichte er ihr eine Orchidee. 
»So, steck' sie dir an, sie 
paßt zu deinen Augen«, la» 
chend küßt er ihr die Hand. 
»Zu meinen Augen? so ein 
närrischer Vergleich!« »Ja, 
so grün, so grau, so gespren» 
kelt und überhaupt so ver» 
quert wie die ganze Or= 
chidee, so bist du, weißt du 
das, du süße, verquerte Per» 
son?« Das Letzte sagte er 
ganz leise an ihrem Ohr. 
Sie antwortete nicht. »Was 
ist, Lore, hab' ich dich geär» 
gert oder dein Mann?« »Aus» 
nahmsweise keiner von bei» 
den.« »Sondern — « »Ach 
nichts - « »Wo kommst 
du her?« »Drüben vom 
Schmidt.« »Da war der 
gnädigen Frau ein Pelz zu 
teuer und sie macht ein Ge» 
sicht wie der Lohgerber, dem 
die Felle weggeschwommen 
sind?« »Pfui, Ahlhardt, wie 
abgeschmackt!« »Aber sehr 
passend.« »Ahli, er hat 
einen so wahnsinnig schicken Pelzmantel»Leopard mit 
blauem Damastfutter! Gerade was ich brauche für's Auto 
— das heißt, wenn du mich mitnimmst. Und für die 
Rennen möchte ich ihn unbedingt haben.« »Was soll 
dieses wilde Tier, das man mit Damast gefüttert hat, 
denn kosten?« »Nur neuntausend, Ahli, lächerlich wenig, 
aber Ernst gibt mir das Geld nicht, ich kann mir die 
Mühe sparen, ihn darum zu fragen.« »Wie sinnig der 
Mantel gerade auf dem Rennen wirken würde!« »Wie 
•meinst du?« »Dein Mann wollte doch den Leopard 
reiten — « »Wie komisch, das fiel mir gar nicht auf. 
Aber was hilft das alles, ich habe den Mantel nicht und 
bekomme ihn nicht.« Sie stieß mit dem Schirm auf's 
Pflaster und zog die Augenbrauen zusammen. Ahl» 
hardt berührte ihren Arm: »Auf dem Rennen wirst du 
den Mantel tragen, so wahr ich hier stehe«, sagte er be» 
stimmt. »Wenn dein Mann ihn nicht bezahlt, tue ich es.« 
»Unmöglich — ?« Zweifel 
und Freude blitzen in ihren 
Augen. »Mir ist alles mög» 
lieh, das weißt du.« Sein 
Blick hatte etwas Herrisches, 
als er sich verabschiedete. — 
»Lore, tu mir den einzigen 
Gefallen und lasse mich mit 
dem Kram in Ruhe. Ich habe, 
weiß Gott, Wichtigeres im 
Kopfe.« »Ach, die dummen 
Pferde — — «. Ärgerlich 
wollte der Mann auffahren, 
da legte die junge Frau die 
Arme um seinen Hals. »Ernst, 
ich möchte den Mantel doch 
so furchtbar gerne haben«, 
sagte sie mit zärtlich halb» 
lauter Stimme. Da flogen 
die Pferdegedanken aus des 
Gatten Kopf. Er zog die 
schöne Bettlerin auf seinen- 
Schoß: »Liebchen, könnten 
wir nicht einen Pakt schließen? 
Wir haben kein Geld für 
solche Späße. Ich bin froh, daß 
ich den Platz beim Gestüt 
habe, und der Gaul, den tffir 
Vater überlassen, ist meine 
ganze Hoffnung. Der Leo» 
pard ist in tadelloser Ver» 
fassung. Wenn ich Glück habe, gewinne ich Sonntag das 
Hunderttausend»Mark»Rennen! Gelingt's, dann bekommst 
du sofort deinen Mantel, wenn nicht — dann mußt du 
den alten weiter tragen, wie es einer Frau Rittmeister a.D.
        
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