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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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Hollywood mit den Solisten und Hilfsdarstellern die 
Probe der ,Mask‘ verlassen und betrat fünf Minuten 
später selbst als Hollywood das Gebäude. Gut 
orientiert, ging ich sofort ins Zimmer des ersten 
Regisseurs, dem ich mit geheuchelter Neugierde und 
ein wenig Liebenswürdigkeit alles herauslockte, was 
ich wissen wollte. Mit dem Triumphgefühl der Sie 
gerin konnte ich gehen. .Leben Sie wohl! . . .‘ Ich 
stand bei der Tür. 
Da begann der Regisseur zu lachen. Herzhaft 
zu lachen! 
.Meine verehrte Dame, ich könnte Sie gehen lassen 
und Sie all den Unsinn glauben lassen, den ich Ihnen 
als .Wahrheit* vorgeschwafst habe. Sie haben die 
Rolle der Hollywood glänzend gespielt! Glänzend! 
Wollen wohl ein Engagement? Ich befürworte! Nun 
demaskieren Sie sich!* 
Ich war wie versteinert. 
,Ich hätte Sie nicht erkannt*, fuhr der Regisseur im 
gemütlichen Plauderton fort, .aber eine Kleinigkeit 
haben Sie übersehen! Das Muttermal am Hand 
gelenk der Hollywood. Das suchte ich, — denn ich 
genieße den besonderen Vorzug, es jedesmal beim 
Abschied küssen zu dürfen. ... * 
Mehr hörte ich nicht! Fort! Ich flüchtete aus dem 
Zimmer, aus dem Haus, fort! fort! 
erst in meinem Boudoir fand ich Ruhe und Kalt 
blütigkeit wieder.“ 
Dewe-Daschi machte eine Pause. „Darf ich um 
eine Zigarette bitten?“ 
Der Direktor reichte ihr galant sein goldenes Etui, 
aus dem sie sich bediente und um Feuer bat. 
„Weiter“, sagte er sichtlich erregt, „bitte, erzählen 
Sie weiter . . . !“ 
„Hier!“ sagte Dewe-Daschi, und tipste mit dem 
Zeigefinger an ihre Stirn, „ein bißchen Evaschlauheit! 
Ich kalkulierte: Morgen früh geht die Hollywood um 
zehn zur Probe. Ich muß zehn Minuten früher mit 
dem Regisseur gesprochen haben. Und ich ging zu 
,Mask*. Stöberte den Regisseur im Glashaus auf und 
fragte harmlos nach einigen Selbstverständlichkeiten. 
Da nahm er mich bei der Hand, zog mich hinter die 
Wände eines unbenü£ten Kulissenzimmers und flüsterte 
mir erregt ins Ohr. .Hollywood! Geben Sie acht! 
Eine Schwindlerin in Ihrer Maske treibt ihr gewagtes 
Spiel, ich bin gestern selbst auf den Trick 
hereingefallen, — habe mehr von unseren Plänen 
verraten als ich soll und darf. ... *
        
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