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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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macht alles, was man von 
Rede halten kann sie nicht, 
spielt Klavier, findet die 
verborgensten Dinge in 
den entlegensten, schwie 
rigsten Verstecken, löst 
Probleme, die selbst einem 
Menschen Kopfzerbrechen 
machen, nimmt von den 
schwellenden, roten Lip 
pen ihrer jugendlichen 
Herrin Nahrung und oft 
auch ein Küßchen ent 
gegen und denkt mit 
Mascagni: „Wer dir vom 
Munde Kü—ü—sse darf 
nippen, trägt nach dem 
Pa—a—radiese kein Ver 
langen. 
ihr verlangt, nur eine Paddy das ersehnte „fette Schwein“ wird, muß 
Sie tanzt Shimmy und wohl noch manche Flasche Milch in sein nimmer- 
sattes Bäuchlein fließen, 
aber seine junge Pfle 
gerin wird keine Lust 
verspüren, Paddy in rosi 
ger Schinken- und Wurst 
form zu verzehren, wenn 
sie so viel Liebe und 
Sorgfalt darauf verwendet 
hat, aus dem Ferkel ein 
ordentliches Schwein zu 
machen. Prophezeien ist 
für gewöhnlich immer 
eine äußerst heikle Ge 
schichte, aber trotzdem 
lassen sich für Paddy 
große Salonerfolge Vor 
aussagen. 
Raußtierfütterung. 
Von robusterer Kon 
stitution ist entschie 
den „Paddy“, ein 
sympathisches Fer- 
kelchen, das mit der 
Flasche aufgezogen 
wird und wie ein 
Baby quiekt, wenn es 
den Schnuller nicht 
gleich bekommt. Bis 
Die Vogeffängerin. 
Die beiden Tauben „Jack“ und „Jill“ werden von 
ihrer lieblichen Herrin jeden Morgen und Abend 
im Londoner Central 
Park spazieren ge 
tragen, damit sie 
frische Luft schöpfen 
und es ihnen nicht 
so übel ergehe, wie 
fünf ihrer Kollegen, 
die alle an mangeln 
der „Erfrischung“ zu 
Grunde gegangen 
sind. Miß Rosa 
Gallagher ist eine 
passionierte Tauben 
freundin und die wei 
ßen Friedensvögel,die 
ihr die liebsten Ge 
sellschafter sind, be 
gleiten mit leisem, 
liebkosendem Gegirre 
alle, wenn auch noch 
so törichten Handlun 
gen der Dame, der 
sie nun einmal ihr 
kleines zitterndes Vo 
gelherz geschenkt 
haben. 
Ein weißes Mäuschen, das andere weiße Mäus 
chen bändigt! Welch hübscher Anblick für alle, die 
sich für Tierdressuren 
interessieren. Die 
flinken, kleinen Tiere 
mit dem weichen, 
schneeigen Pelz, den 
spieen Öhrchen und 
den roten Augen sind 
ja so poussierlich, sie 
erzeugen durch ihre 
ungelenken Sprünge 
und „Männeken ma 
chen“ sehr viel Freude 
und Heiterkeit, nicht 
nur bei Erwachsenen. 
Und gerade ihrer 
Poussierlichkeit we 
gen sind sie ein 
lustiges Spielzeug für 
Frauen — die keine 
Angst vor Mäusen 
haben. — Aber .... 
aber .... fast möchte 
man annehmen, daß 
letztere in der Mehr 
zahl vorhanden sind 
und daß es mehr 
Frauen gibt, die von 
Mäusen, als umge 
kehrt Mäuse, die von 
Frauen gebändigt 
werden. • 
Denn nicht von der 
Größe des Bändi 
gers hängt es ab, 
wenn Frauen unter 
liegen.
        
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