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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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"Haarfärbungen mit 1 
I Henna Gora 
Echtheit, 
Natürlicher Glanz, 
Weiche Fülle des 
Haares. 
Erzeugnis aus den besten orientalischen 
Pflanzenfarben, ergeben die schönsten 
und natürlichsten Farbentöne bei grauem, 
vcrbleichtem oder verfärbtem Haar. 
Ausfuhrende Fachleute werden in jeder 
g rößeren deutschen Madt nachgewiesen, 
roschüre B wird kostenlos versandt. 
F. R.MUller, Berlin C^5 
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Nadim. 7,5 Uhr der" große Gese'lsdiaftstee 
mit Salome und Lissi und Rene 
Bailorch. Fritz Fuchs 
uralter Schnauf, grünes Moos und rankender Efeu die Zeugen 
eines viertelhundertjährigen Dornröschenschlafes. Schaurig wider 
hallte Geihardts Schritt in den langen Hallen der Ställe. Er kam 
an einen kleinen gesonderten Pferdestand. Sinnend blieb er stehen 
und hier packte ihn eine Erinnerung aus seiner Kindheit Tagen 
gewaltig. 
Hier, in dieser Box, hatte Fritz gestanden, sein Pony, 
den ihm sein. Vater zu seinem zehnten Geburtstag geschenkt. 
Lange hatte er ihn damals nicht reiten können, denn es kam bald 
das Schandunglück mit der Mutter und die Flucht des Vaters mit 
ihm ins Ausland, um über die Schande des Hauses erst Gras 
wachsen zu lassen. Nun lag der Vater schon längst drüben auf 
Ceylon unter Palmen in heißer Erde. 
Die Mutter war auch bald nach ihrem 
Fehltritt mit dem jungen Gutsförster 
in England gestorben und er, er hatte 
nur von seinem Sachwalter, dem 
lustizrat Kurz, in der jährlichen Auf 
stellung seiner Vermögensweite den 
Namen gelesen: Hohen-Pinoff. — Die 
Heimat seiner Kindheit war tot für 
ihn wie für den Vater. 
Nun stand er vor dem Schlosse. 
— Ja, es war fast wie eine Ruine! — 
Das Dach zerfallen, Regen und 
Schnee mochten im Innern böse 
gewütet haben in all den langen 
Jahren. Die Fensterläden waren ge 
schlossen, ein Blick ins Innere des 
Hauses nicht vergönnt. Da schritt er 
zum Ortsvorsteher. — »Ich möchte 
gern das Innere des alten Schlosses 
sehen«, bat er. 
»Ganz ausgeschlossen! Durch den 
Sachwalter des Besißers ist die Besichtigung streng verboten.« 
»So, — hm! — schade!« 
Sollte er sich ausweisen? Er ging sinnend bis zur Tür, blieb 
stehen, kehrte um und legte eine große Geldnote auf den Tisch. 
»Für die Ortsarmen, Herr Vorsteher, wenn Sie mich durch das 
Schloß führen.« 
»Um der Not der Armen willen darf ich das wohl nicht ab 
lehnen. Kommen Sie!« 
Und nun gingen sie zum 
Schloß, darinnen von Raum zu 
Raum, langsam, schweigend. Der 
alte Vorsteher wollte einiges er 
klären, aber der Fremde bat ihn 
zu schweigen. Und was Heimats 
odem und Heimatssonne vorbe 
reitet in seinem Herzen, was alte, 
traute Kindheitserinnerungen in 
Hof und Stall gefördert, das brach 
hier durch beim Anblick jener 
Räume, da er geboren und ge 
spielt, da er die ersten Sprüchlein 
gelernt und die ersten Worte ge 
schrieben, da er mit Vater und 
Mutter gesessen, gesungen und gelebt. — Schwer atmend sagte 
er zu seinem Führer: »Lassen Sie mich allein, Herr Vorsteher.« 
Der gute Alte sah die Gemütsbewegung des Fremden, und 
doch gebot ihm die Pflicht, zu bleiben. 
»Gehen Sie! Gehen Sie!« drängte mit brechender Stimme 
der Fremde. »Ich bin Dr. Winter, der Besser des Schlosses; hier 
sind meine Papiere und Ausweise; prüfen Sie s^e draußen, aber 
lassen Sie mich allein « 
Er drückte dem Erstaunten ein Bündel Papiere in die Hand 
und schob ihn hinaus. Nun saß er Stunde um Stunde in dem 
großen, geschnitten Stuhl, demselben, in dem er seinen starken, 
herzlichen Vater damals in der schweren Stunde so gebrochen 
sitzen sah. 
Seine ganze Kindheit wurde lebendig in ihm. Dann, nach 
langen Stunden des Versenkens in die Vergangenheit, entnahm er 
seiner Handtasche ein Kä'tchen und öffnete es. Kornblumen lagen 
darin und ein Brief, der lefjte, den ihm Frau Elisabeth von Ayler 
zugesandt hatte. 
Den las er immer und immer 
wieder. Dann stand er auf und 
redete und dehnte sidt und ihm 
ward so froh u id frei und stark zu 
mute, und er rief laut in den stillen, 
leeren Saal: »Ich bleibe! — Heimat, 
du hast mich wieder.« 
* 
Nach wenigen Tagen traf Justiz 
rat Kurz auf Hohen-Pinoff ein, und 
wieder einige Tage später hub in 
den alten Mauern ein Leben an, 
wie es das stille, weltfremde Bauern- 
dörfdien nie gesehen. 
Fleißig sdiaffende Handwerker 
kamen und gingen, und sdion nach 
wenigen Wochen zogen Mensdien 
und Vieh in dem aus Märchen 
schlafe wieder neuerstandenen Rittergute ein. 
Am meisten Sorge machten Dr. Winter die seit fast dreißig 
Jahren vernach'ässigten Felder. Gewiß, sie waren ausgeruht, 
man hatte ihrem Boden wenig Kräfte entzogen, aber er war 
verstockt und verwurzelt. 
Ganze Parzellen hatten sich bebusdit, andere waren mit 
der Zeit zu kleinen, struppigen Kiefern- und Birkenwäldchen 
geworden. 
Hei, ging da ein Leben an! 
Das Schloßgut brauchte fleißig 
sdiaffende Hände, und was aus 
den umliegenden Ortschaften 
selbst an braudibaren Arbeits 
kräften nicht herbeigeschafft 
werden konnte, das wurde von 
den in der Umgegend l egenden 
Städten aus dem Überfluß ihrer 
Arbeitslosen herangeholt. 
Durch unermüdliche Arbeit 
und gesdiickte, sadigemäße An 
leitung war aus dem ehemaligen 
nutzlosen ödlande im nächsten 
Frühjahr wieder ein leidlidier, 
aufnahmefähiger und fruchtverheißender Mutterboden geworden. 
Dr. Winter, ein Moderner durch und durch, wagte nun den 
großen Wurf. 
Er ließ sich die durch neuzeitliche wissenschaftliche Forschungen 
erprobten Stoffdüngemittel kommen, nachdem ihm die nächste land 
wirtschaftliche Beratungsstelle theoretisch und praktisch erfahrene 
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