Path:

Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

4 
Wissen Sic, eigentlich sollte man nur den Mann 
heiraten, den man von Herzen lieb hat. Kennen Sic 
den famosen Roman von Courths-Maler „Brennende 
Herzen“? — Zwei Menschen, die — na, Sie wissen ja. 
Der Andere: Prächtig, janz jroßartig, ein litera 
risches Ereignis! — Äh, was ich sagen wollte — 
warum muß man denn heiraten, um glücklich zu sein? 
Sie; Aber ich bitte Sie, ich bin doch verheiratet. 
Der Andere: Nun ja, Ihr Mann 
vernachlässigt Sie. Sie suchen 
Liebe — oder haben sic je- 
funden? — 
Sie: Sehen Sie, eine Frau, die 
verheiratet ist — 
Der Andere: Falsch. Eine 
Frau, die liebt — 
Sie: Das ist etwas ganz anderes. 
(Das Strumpfband ist aus Seide, 
blaßblau.) 
Der Andere: Also, eine Frau, 
die sich dem jeliebtcn Manne in 
reinem Vertrauen nähert und dann .. 
Sic: Dann . . . dann .. . 
(Über dem Strumpfband ist ein 
Streifen von rosaroter Farbe, ganz 
schmal, ganz weich und duftig. 
Es ist nämlich sehr,sehr heiß..) 
Der Andere: Und dann nicht 
hinjibt — 
Sic: Warum denn nicht? 
Der Andere: Und dann nicht hinjibt, ist — 
Sie: Eine Schlange! 
(Schweigen. Über dem ganz duftigen, schmalen, 
rosaroten Streifen sind ganz zarte Spitzlein — es 
ist nämlich noch immer sehr, sehr heiß . . .) 
Sic; Eine Frau, die — 
Der Andere: sich einem unjcliebten Manne hin 
jibt, ist — 
Sic: dumm — 
Der Andere: — nein, klug — 
Sie: Vielleicht ja, sehr berechnend, also — 
Der Andere: Das ist es. Berechnend. Eine Frau, 
die sich aus Berechnung hinjibt, die, ehe sie liebt, 
Zahlen im Kopf hat, ist — 
Sie; eine Kokotte! — 
(Schweigen. Sind die durch 
sichtigen Batisthöschen denn wirk 
lich — cs läutet.) 
Der Andere: Jott! 
Sic: Mein Mann!!! 
E r (fuchsteufelswild, schimpft 
draußen, schmeißt den Kleider 
ständer um): 
Fünfundachzig Prozent! Diese 
Himmelhunde! Ich bin ruiniert! 
Ich Hornochse — ich — ich — ich General — 
Direktor — der Hirsch — Horn — A. — G. —! 
Sic (schreit plötzlich): 
Hiicelfc — Hiiilfc!! 
Mörder! Einbrecher!! 
(wirft Ring, Uhr, Halskette, Taschentuch, falsche 
Zöpfe auf den Tisch). 
Er (stürmt herein, fährt zurück, 
rennt an Schreibtisch, Revolver): 
Hände Hoch!! 
Sie (läuft ans Telephon, ruft 
die Polizei). 
Der Andere (hat die Hände 
hochgehoben, macht ein verständ 
nisloses Gesicht). 
Schulmann: Sie sind ver 
haftet. Ihre Papiere! 
Der Andere (steht blöde da, 
Einglas fällt, Scherben, er will es 
aufheben). 
Er (droht mit Revolver). 
Der Andere (hebt die Hände 
wieder hoch). 
Schulmann (liest): Doktor 
Johannes Rummler, Chefredakteur, 
Stefanienplatt 1, Telephon Amt 
Stemplet? — 
(geht ans Telephon): 
Fräulein, bitte Amt Stcinplat? 20440 — ja. 
Hallo, hier Kriminalpolizei — 
Wohnt dort ein pp. Chefkondukteur Rummel? — 
Rummler — ja. 
Wie bitte? — Zehn Zimmer? — Amerikanischer 
Professor? — ah so — danke, — Schluß (hängt 
den Hörer an). 
Meine Herren, mein Beruf scheint hier nicht das 
richtige Feld zu finden! 
(Verbeugung). 
Ich darf mich nach dieser Auskunft wohl ver 
abschieden. 
(Grüßt, ab.) 
Sic — ? (fällt in Ohnmadit.) 
Der Andere —? (bückt sich, 
von dem Anblick des drohenden 
Revolvers befreit, sammelt die 
Scherben seines Einglases). 
Er —? (wird verrückt, brüllt); 
Ich — Hirschhorn! — General! — 
(Sanatorium. 
Vorhang.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.