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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Wodurch sie wirken 
D er ganz über 
raschend große 
Erfolg, den G u n n a r 
Tolnaes wiederum 
im dritten Teil des 
FiIms„DieLieblings- 
frau des Maharad 
scha“ errungen hat, 
läßt die Frage auf 
tauchen: warum wir 
ken sie? Obgleich 
es nicht immer der 
Star als solcher ist, 
der den Erfolg des 
Films ausmacht, so 
kann doch gesagt 
werden, daß zumin 
dest für das weibliche Element, und dieses stellt doch 
das Hauptkontingent der Kinobesucher dar, der Träger 
der Hauptrolle das An 
ziehende bildet. 
Unsere großen Schau 
spieler wie Wegener, 
Jannings, Liedtke, 
Mierendorff: jeder hat 
seine besondere Note. 
Bei Gunnar Tolnaes 
ist es unzweifelhaft das 
Hoheitsvolle und das 
Ruhige, Beherrschte, das 
den Frauen am meisten 
gefällt. Die Frau ge 
braucht ein Idol, zu dem 
sie heraufblicken kann, 
das sie anbeten kann und 
zu dem sieVertrauen hat. 
Ihre Phantasie stellt sich 
den Mann auf der Lein 
wand in der Realität vor 
und sie zieht bei seinem 
Anblick Parallelen mit 
dem wirklichen Leben. 
Bei Jannings ist es 
schon immerhin etwas anderes, das mitspielt und das 
leider mehr dem Charakter unserer Zeit entspricht. 
Er verkörpert die 
brutale Kraft, wie 
er sie neuerdings 
in der Bombenrolle 
„Der Stier von 
Olivera“ zum Aus 
druck gebracht hat, 
während er bei sei 
nem bishergrößten 
Erfolg, nämlich als 
Heinrich VIII. in 
dem Union - Film 
„Anna Boleyn“ 
auch außerordent 
lich liebenswürdige 
Momente hatte. 
Mierendorff ist 
der amerikanische 
Typ, der moderne 
weltmännische Be 
herrscher seiner 
Gesten undHandlungen.intausend 
Charakteristiken und Nüancen. In 
dem Gloria - Film „Herzlrumpf“ 
hatte er Gelegenheit, diese Eigen 
schaften spielen zu lassen. In 
dem mit Spannung erwarte 
ten neuen Gloria-Film 
„DieV ersch wörun g 
zu Genua“ 
steigert er 
sie, ins Zeit 
alter der Re 
naissance 
übertragen, 
zu einem 
von Leben 
erfüllten 
Bilde. — Das gerade Gegenteil von Mierendorff ist 
Harry Liedtke, der lustige unternehmende Bonvivant 
mit verschmitzt lächeln 
den Augen, der schlan 
ken Gestalt und der Be 
hendigkeit eines durch 
trainierten Körpers. Er 
ist einer von denen, die 
in allen Situationen stets 
das Sonnige ihres We 
sens durchschimmern 
lassen. In dem großen 
Abenteurer-Film „Der 
Mann ohne Namen“, 
dessenHauptteile bereits 
fertiggestellt sind, wird 
er Gelegenheit haben, 
seine Künste zu zeigen. 
Das Romantische bei 
aller Wucht seiner Er 
scheinung ist an Paul 
Wegener dasWirkungs- 
volle: Mit dem mystisch 
legendären Meisterfilm 
„Der Golem, wie er in 
die Welt kam“ hat er 
dies bewiesen, ln seinem neuesten Opus „Der ver 
lorene Schatten“ ist dieses Romantische auf eine 
sozusagen musika 
lische Basis ge 
stellt. Aus dem 
Golem-Kopf ist ein 
Beethoven-Kopf 
geworden und aus 
den schwer stap 
fenden Schritten 
klingt die graziöse 
Melodie der Beet 
hoven - Menuette 
und der Schubert- 
schen Ländler her 
vor. T rotz aller 
Riesenerfolge der 
oben Genannten 
dürfteWegener der 
sein, dem auch 
die Nachwelt man 
chen Kranz flechten 
wird.
        
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