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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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.Jeßaterira Jwanowna” von LeonidAndrejew. 
Lude Höjlich und Ernst Dernßurg, 3. Aßt 
Raßindranath Ta göre: „Das Postamt" 
Lude Mannheim und Guido Herzfeld (Volksbühne) 
Maria Jeritza in „Tos ha" mit Hof Bauer 
(Deutsches Opernhaus) 
D as war wohl der größte äußere Erfolg, den seit langen 
Jahren ein Bühnenkunstwerk erzielt hat: Richard Strauß’ 
Josephlegende in der Staatsoper. Und wahrlich ein wohl 
verdienter. Die Kenner versichern, daß sich alle hohen 
künstlerischen T ugenden 
dieses gewaltigen Ton 
setzers in diesem einzi- 
genWerk konzentrieren. 
Die Staatsoper hatte aber 
auch alles getan, was für 
ein solches Werk zu tun 
war;derGlanzderPariser 
Erstaufführung im Mai 
1914 ward zwar nicht er 
reicht, aber künstlerisch 
scheint unsere höher ge 
standen zu haben. Frau 
Tilla Durieux als Po- 
tiphar gab Nervenpeit 
schendes, Urweiblich - 
zerreißendes; HerrHein- 
rich Kröller als Joseph 
mit seinem meisterhaft 
geschulten Ballett schuf 
sinnverwirrende, my - 
stisch-vorzeitliche Atmo 
sphäre, die sich von der, 
die den seligen Sarda- 
napal an gleicher Stätte 
umgab, recht vorteilhaft 
unterschied. — Frau Je 
ritza aus Wien bot in 
„Tosca“stimmlich,künst 
lerisch — und als Augen 
weide den Berlinern Un 
gewohntes. Schade nur 
„Josephlegende" von Richard Strauß (Staatsoper), 
Tilla Durieux als Trau Pothiphar, Heinrich Kröller als Joseph 
eines: weshalb faßt man ein so kostbares Blid in so min 
derwertigen Rahmen? — In den Theatern war nicht eben 
viel Aufregendes. Am meisten interessierte „Jekaterina Iwa- 
nowna“vonLeonid Andrejewfdem starken Dichter des „Roten 
Lachens“) im Theater in 
der Königgrätzerstraße. 
Lucie Höflich schien, als 
erste Deutsche, dem Ty 
pus der russischen Dame 
(die ewig AnnaKarenina 
sein wird) nahegekom 
men zu sein. Ihr starkes 
Weibtum, dem alles Per 
verse fehlt,ließ eineNatur 
in elementarer Urart vor 
uns erstehen. Das war das 
beste an dem Drama, das 
sonst nichts Neues, Auf 
wühlendes, Erweiterndes 
zu bieten hatte. ImVolks- 
theater „Das Postamt“ 
von Rabindranath Tago- 
re. Um Himmelswillen, 
wozu? Zwei Serien aus 
Kayserlings Reisetage - 
buch sagen uns mehr von 
der indischen Seele als 
dieses ganze Drama! 
Gibts denn keine deut 
schen Dramatiker, die 
aufzuführen eine For - 
derung des Anstandes 
und der Kultur ist? Daß 
Guido Herzfeld ein tüch 
tiger Mime ist, wußten 
wir vorher. V. C.
        
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