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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Von A ff r e d Danzer 
anu, Herr Meierfeld, Sie in einem Spielklub? 
Wo Sie bis zu ihrem dreißigsten Jahre nie eine 
Karte angerührt haben? Und gewinnen tun Sie auch? 
Zeichen und Wunder!“ 
„Na, hören Sie mal, lieber Hartwig, wenn ich nicht ge 
winnensoll 
te, könnte 
das alte 
Sprichwort 
vomPech in 
der Liebe 
eingesargt 
werden. Es 
ist sozusa 
gen noch 
mein ein 
zigstes Ver- 
gnügen^ctäS 
Spiel. Wis 
sen Sie was, 
da wird ge 
rade eine 
neue Bank 
ausgeboten 
nachdem eben die fünfte geplatzt ist. Ich bin satt bis 
zum Hals, kommen Sie, da stehen ein paar schöne Klub 
sessel, ich erzähle Ihnen die Geschichte.“ 
„Sie kennen doch Edith Lindemann. Eine totschicke 
und süße Person, aber ’n bißchen verdreht. Schwärmt 
für Körperkraft und Heroismus. Ich hab sie im Ver 
dacht, daß sie heimlich zu Boxkämpfen geht. Also ich 
treff sie den Sommer in Heringsdorf und verlieb mich 
ebenso hinreißend wie erfolglos. Nach der sechsten 
mißlungenen Attacke gesteht sie mir schließlich, ich 
sei ihr nicht ganz gleichgültig; aber ihren Mann würde 
sie nur mit jemanden betrügen, der körperlich ein Held 
sei, keine Angst kenne und ihr das auch bewiesen habe. 
Na, ein findiges Köpfchen war ich immer. Irgendwo 
da draußen auf Ahlbeck zu wohnte ein Seebär von be 
trächtlichen Körperkräften, dem ich schon zutraute, daß 
er für Geld zu allerlei zu haben sei. Ich begebe mich 
also zu besagtem lieblichen Knaben und rede ihn also 
an; Hör zu, Beherrscher der Meere, willst du drei 
hundert Mark verdienen? Also heut abend um halb 
elf Uhr wird aus dem und dem Hause eine Dame heraus 
kommen und am Strande spazieren gehen wollen. An 
irgend einer einsamen Stelle wirst du diese Dame an 
fallen und einen kleinen Ringkampf mit ihr aufführen. 
Wenn sie schreit, laß sie ruhig schreien. Nach unge 
fähr fünf Minuten werde ich kommen, dich mit furcht 
barem Gebrüll anfallen — du wirst dich von mir ver 
hauen lassen und dann das Weite suchen. Einverstanden? 
Gut. Hier sind hundert Mark ä conto. Die Sache 
schien ganz programmäßig verlaufen zu wollen. Die 
Nacht war dunkel wie dicke Tinte; ich gehe so unge 
fähr vierzig Meter hinter meinem Seebären her, der 
mit breiten Schritten einer undeutlichen Gestalt folgt. 
Er kommt näher, springt sie an und beide wälzen sich 
im Sande. Ich drauf los wie Blücher, hau dem See 
bären ein gelindes über den Schädel, der macht, daß 
er fortkommt; ich beuge mich über eine offenbar ohn 
mächtige Gestalt und halte — Herrn Lindemann in 
den Armen. Sie war nämlich den Abend zu Hause 
geblieben und hatte ihn spazieren geschickt. Und mein 
Seebär war der Ansicht gewesen, daß er für mein Geld 
unter allen Umständen etwas dazu tun müsse. So ein 
Pech kann auch 
nur ich haben.“ 
„Ach du lieber 
Gott, wieso 
denn?“ — 
„Ja, seit die 
sem Tage geht 
mir Herr Linde 
mann nicht mehr 
von der Pelle, 
nennt mich seinen 
liebsten Freund 
und stellt mich 
überall als sei 
nen Lebensretter 
vor.“ 
„Und Frau 
Edith?“ 
„Ja, sehen Sie, das ist nun schon das schärfste. Die 
ist am nächsten Morgen zu dem Seebären gelaufen 
und hat ein Verhältnis mit ihm angefangen. Meine 
Form 1“ 
„Was wird für eine neue Bank geboten?“ fragte 
der Croupier.
        
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