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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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ihr helles Mädchcnlachen durch den Raum, das so 
gar nicht zu der Würde einer Juristengattin paßte. „In 
diesem Fall war cs allerdings unmöglich, meine Zeilen 
zu entziffern,“ sagte sic. „Also höre mal“ — und sic 
legte ihre blendend weißen Arme auf dieTischplattc — 
„jctff kommt etwas sehr Vertrauliches: Du weißt, daß 
mein Mann ein sonderbarer Mensch ist. Aber wie 
sonderbar, das weißt du nicht. Er hat mich nämlich 
unter einer Bedingung geheiratet, und die hieß: unsere 
Hochzeitsnacht soll erst stattfinden, wenn es einmal 
tüchtig gewittert. Es wäre das Idealste, was er sich 
einer Woche war ich so nervös geworden, daß ich 
die ganze Heirat verwünschte, denn dieses öde Leben 
hätte ich auch zu Hause haben können. Ich schrieb 
dir im bewußten Brief meine Sorgen und —.“ „Und 
kam denn das ersehnte Wetter endlich?“ — „Nein. 
Karls Urlaub war zu Ende und wir kehrten hierher 
zurück. Ich bin also heute noch nicht seine Frau und 
werde auf den nächsten Sommer warten müssen.“— 
Agnes war aufmerksam den Worten der erregten 
Freundin gefolgt. jcl?t schüttelt sic mißbilligend den 
Kopf und sagte: „Liebe Margot, an derartigem Ver- 
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denken könne. — Ich war natürlich einverstanden, und 
froh, daß die Bedingung so harmlos war. Daß sic 
zu einer wahren Qual werden könnte, kam mir nicht 
in den Sinn. Wir fuhren also gleich nach der Trau 
ung in die Sommerfrische und verlebten die ersten 
Tage unserer Hochzeitsreise recht gemütlich, soweit 
cs unter diesen Umständen möglich ist. 
Aber mit der Zeit wuchs meine Unruhe, denn vom 
erlösenden Gewitter war keine Spur. Selbst wenn cs 
L a ? s ^ cr n °ch so heiß war — am Abend büßten 
höhnisch die Sterne auf mich Einsame. Im Laufe 
hältnis ist die Frau gewöhnlich die Schuldige. Ich 
hätte mir diese menschenunwürdige Behandlung in 
keinem Fall bieten lassen. Ich wäre sofort zu meinem 
früheren Liebhaber gelaufen.“ — „Das hab’ ich doch 
auch getan,“ erwiderte Margot, indem sic ein feines 
Batisttüchlein an die vibrierenden Nasenflügel hob, 
denn aus den langbewiraperten Augen kollerten ein 
paar Tränen. „ja, warum weinst du denn noch?“ 
fragte Agnes überrascht. 
„Ach, Liebste, — es ist furchtbar! — Gerade in 
jener Nacht hat es gewittert.“
        
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