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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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»Nur wegen des einen Bildes?« 
»Ja. Du mußt mir nicht böse sein. Sieh, das ist so: 
Dieses Bild hat midi zu einer großen Arbeit angeregt, 
und fast jeden Tag sitze ich hier und suche neue Wege 
und Gedanken. Aber ich 
komme nun nicht weiter. 
Das Bild ist ja doch tot, 
und die Frau bleibt auch 
nur so, wie ich sie zum 
Anfang sah. Und ich werde 
alles wieder zerreißen, und 
dann werde ich nicht mehr 
hierhergehen. 
Erika sagte nichts. —- 
Aber Rudi erkannte, daß 
sie ihm nicht zürnte. 
Gedanken- 
Lange Tafelreden sind 
stets eine Unhöflichkeit, 
Für die Augen nur das Beste! 
RODENSTOCK 
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Am anderen Tage schrieb Erika einen Brief: 
»Wenn es etwas Großes und Schönes ist, das Du 
schaffst, will ich Dir gern helfen. Aber sprich nicht, daß 
Du die Menschen kennst, sonst würdest Du wissen, daß 
mein Leben, bevor ich 
Dich kannte, aus Not 
anders war, als Du viel- 
leicht glaubst, und daß 
das Modell, das so Deine 
Gedanken beschäftigt, keine 
Andere ist, als die, die 
Dich von Herzen liebt. 
Deine Erika.« 
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Rudi kam nie wieder. 
Spfitter 
Unpassender Tischwein 
blamiert das ganze Menü. 
Außer dem Tee nimmt die Gesellschaft jede Mahlzeit 
bei vollem Licht. 
Vor dem Essen raucht man höchstens im Herren 
zimmer, meine Herren! 
Die Kleidung ist es zum größten Teil, die aus der 
Naturnotwendigkeit des Essens einen Festakt macht. 
Die Handhabung des Bestecks bleibt doch immer ein 
guter Prüfstein für die Echtheit des Kavaliers. 
Man richte seine Vorstellung nie auf eine bestimmte Absolute Liebe oder absoluten Haß verträgt kein 
Speisenfolge ein, dann wird man nie enttäuscht werden. Mensch. Daher besitzen wir auch nur Gefühlslegierungen. 
Das Tischgespräch an sich reißen, 
bedeutet so viel als hungrig bleiben. 
* 
Daß die Enge der Tafelrunde 
diskreteren Unterhaltungston be< 
dingt, als die Freiheit des Salons, 
sollte eigentlich selbstverständlich 
sein. 
* 
Eine Hausfrau solle sich bewußt 
werden, daß eine zu dicht besetzte 
Tafel zur Qual für jeden werden 
kann. 
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Hast du Geduld — übe sie! 
Hast du Leidenschaft — pflege sie! 
Denn alles ist Tugend, was groß 
auftritt, Nur was stark auftritt, 
darf Tugend sein. 
♦ 
Kluge Männer ersparen den 
Frauen die Lächerlichkeit des 
»Sichsträubenmüssens« indem sie 
es nicht — dazu kommen lassen. 
Erwin Sedding.
        
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