Path:

Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

Immzr nocfa duwiat Jafö-Tbaad 
Von Trit's ID it k o iu s k i. 
I. 
O bgleich doch die »Jazz«Bands« eigentlich den 
Berlinern nichts Neues mehr sind, schließen 
die »originaUamerikanischen« Kapellen wie Pilze 
aus der Erde. Das Tempo, mit dem sie dies tun, 
ist aber auch das einzig 
amerikanische daran, An« 
sonsten macht der »SAlager« 
vor seiner Pauke, welcher 
ja die Seele bei dieser Art 
von Geräusdherzeugung ist, 
einen ziemlich preußisdr mi« 
litär = unmusikalisdien Ein 
druck. Er sucht den sdiwa= 
eben Rest seiner deutschen 
Musikalität in einem oze 
anischen 7 rommelwirbel zu 
ersticken, ohne von dem 
Rhythmus Transozeans einen 
Hauch verspürt zu haben. 
Die deutschen Jazz «Bands 
fabrizieren dieselben Kako« 
phonien wie die amerikani« 
sdien, ohne als Entgelt 
deren GestrafftheitundTempo 
zu bieten. Sie machen jeden 
5®Uhr-Tee zum 5-Uhr« 
Weh, ohne gleichzeitig für 
ein C zu sorgen,- aber sdileAt 
wird einem trotzdem dabei. 
Während jedoch bei den 
Negerkapellen dies beim Tanz vergeht — ob 
man nun kann und will oder nicht — muß 
man bei den Kopien sein Übelbefinden mit Whisky 
herunterspülen. Und das dürfte sddießliA der vom 
Unternehmer gewünschte Endeffekt sein. Die ganze 
Jazz«Band=AngeIegenheit ist eben nur eine Ver« 
beugung der musikalischen Deutschen vor dem 
tanzenden Amerika, und »Sdiulzes Jazz«Band« 
20 
ist für einen Kulturmenschen nicht minder peinlich 
als früher in den Varietee« Theatern »The Fife 
Sister's Goldstein«. Nun wird man sagen, Kul« 
turmensdien gehen ja überhaupt nicht zur Jazz« 
Band. Oh lala! Erstens einmal könnten die dann 
heute nirgends mehr hingehen, 
denn — den Nordpol kenne 
ich noch nicht genauer — es 
gibt kein Fleckchen Erde 
mehr, wo keine Jazz «Band 
spielt. - Abgesehen davon 
aber erscheint eine Differen« 
zierung des Kulturniveaus 
nicht mehr möglich, nachdem 
uns eben diese Kultur mit 
Gramme«, 1 eie« und ähn« 
liehen Fon Sorten be« 
schenkte. Ohne an das Ge« 
rede übler Chauvinisten zu 
glauben, Jazz«Bands seien 
der wahre Spiegel amerika« 
nischer Kultur, und ein eben« 
so typischer Exportartikel 
wie für Schweden Gardinen 
und Streichhölzer, für Eng« 
land Heftpflaster, für die 
Schweiz Uhren, für Frank« 
y > reich Sekt und Wein und für 
■’ die Wiener Schnitzel <fwas 
mag dann bloß für Deutsch« 
land typisch sein?), kann 
man sich doch dem faszinierenden Reiz der wirk« 
lieh garantiert urediten amerikanischen Kapelleri 
nicht verschließen. 
II. 
Ein Tanzlokal im Westen, PatsAuli und 
Opoponaxlüfte wehen leise, und laut spreAen die 
MensAen. Über allem der klägliAe Ton einer
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.