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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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drei, vier und mehr 
Stück, DieZusammen- 
Stellung des schwarzen 
Abendkleides mit der 
karmoisinroten Rose 
ist klassisch und immer 
schön — nur darf sich 
gerade die rote Rose 
nicht im Ton irren. 
Wo betreffs des 
Farbengefühls nicht 
ganz unbedingte Sicher- 
heit herrscht, dort ist 
es besser, sich von der 
klassischen Rose ab 
und der Phantasie- 
blume zuzuwenden, 
die ja in unendlich 
zahlreichen Ausgestaltungen vorliegt. Man bringt als 
Neuheit unter anderem entzückende, abschattierte kleine 
Tulpen, deren sich sechs bis acht zu einem Bukett 
vereinen,- von einer sehr schicken Frau sah ich dieselbe 
Blumenart in Riesenformat tragen, gelb abschattiert, mit 
entsprechend großen Blättern und ganz dicken, langen 
Stielen, zu einem tiefdunkelbraunem Krepp-Morocain- 
kleid. 
Als Neuheit zeigt man audi Magnolien, deren Blätter 
zum Teil aus schwarzem Samt, zum Teil aus Metall- 
gaze bestehen, wie denn Blumen aus Metallstoffen, 
oder aus einem perlmutterartig schillerndem 
Material, oder mit Gold- oder Silberflimmer 
reich bestreut, ja sogar aus metalldurch- 
schossenen Brokaten, als dernier chic gelten, 
entsprechend der Liebhaberei für alles 
Glänzende, Schillernde, die sich wie ein 
roter Faden durch das ganze Modebild zieht. 
Dieser Vorliebe verdanken wir ja auch die 
lackierten Blumen und Blätter, sei es aus Stoff, 
sei es aus Leder, die fern davon sind, das 
Feld zu räumen. Im Gegenteil, man 
sieht nunmehr hochglänzende, lackierte 
Blätter mit Samtblättern oder Metallstoff- 
blättern zu köstlichen Blumen vereint. 
Noch jung ist die Idee, Blumen zu Gir- 
landen zusammenzufügen und diese gürtel- 
artig um die Taille zu legen oder, der 
allerletzten Mode entsprechend, um die 
Hüfte. Bald werden zu diesem Zweck 
ganz große, offene Blumen eng aneinander 
geschmiegt, bald werden kleine Blüten zu 
zierlichen Girlanden zusammengefügt. 
Fast immer hängen Ranken von 
diesem fragilen Dekor herab, manch 
mal bis tief über den Rocksaum. 
Ganz neu ist die Idee, in schwere, 
lange, seidene Fransen feine 
Blütenranken einzufügen. Unter all den Neuheiten, 
die man für Mädchenkleider zeigt, gebührt wohl 
dieser die Krone. 
% 
Ein Kapitel für sich beanspruchen die handgenähten 
Blumen, die wir den heutigen Kunstgewerblern ver 
danken. Nicht alles, was man uns auf diesem 
Gebiet zeigt, ist hübsch, aber das wäre 
mehr als man verlangen darf. 
Wir haben alle Ursache zu 
frieden zu sein, daß beim 
Suchen nach Neuem nicht 
nur Nieten, sondern auch 
reichlichTreffer zumVor- 
schein kamen, wie z. B. 
die aus dicker Wolle 
in verschiedenen Tech 
niken hergestellten Blu 
men, die neu sind — und 
daher geschmackvoller Zie 
rat sind im Knopfloch der 
Schneiderjacke aus englischem Stoff, 
des Sportpaletots, auf dem Jumper sowie 
auf dem einfachen Lauf- oder Sporthütchen. 
Auch die in feiner Perlarbeit hergestellten Blumen sind 
nicht verurteilt vergeblich zu blühn, auch sie finden gelegent 
lich in den Falten eines Teagowns, als Gürtelabschluß 
eines Stilkleides oder auf einem dunklen Kittelkleid 
gerade das Plätzchen das sie brauchen, um ihre Reize 
zu entfalten, — Die handgenähten Blumen aus 
Seide, Samt, Brokat, Metallstoffen und Spitzen 
von jenem hohen Farbenreiz, der eben nur 
so edlen Stoffen eigen ist, wie die, die zu 
ihrer Ausführung dienen, hier leicht dekadiert, 
dort bizarr, sind auf dem Gebiet der Kunst 
blume eineßereicherung, für die man den Kunst 
gewerblern nicht genug danken kann. Ich glaube, daß 
sehr viele Frauen den handgearbeiteten Blu 
men, sofern sic erst ihre Geschmeidigkeit, 
ihre Anpassungsfähigkeit und nebenbei 
ihre hochpraktisdien Eigenschaften 
kennenlernten, den Vorzug vor 
allen andern geben werden. In 
des — ich möchte die genähte 
Blume nicht unbedingt der 
oft ebenso schönen geklebten 
vorziehen. Auch sie hat ihre 
Vorzüge. Sie liegt in man 
nigfaltigeren Ausführungen 
vor, sie ist billiger — was 
man eben heute »billiger« 
nennt —und sie istvorallen 
Dingen mehr »Allerwelts 
blume«. Und diese Eigen 
schaft ist schließlich und 
endlich doch die wertvollste. 
Iffustrationen 
von Lifian von Suttner.
        
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