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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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„Kümmere cficf) um Amefi'e” 
im Trianon * Theater. 
Fugen Burg. Oiga Limhurg. 
Phot.: Zander <£) La hi sch. 
Künstlerhand geordnet. Das 
Ehepaar Bassermann tat das 
seine, um mit scharf umrisse- 
ner, ein wenig holzschnittharter 
Kunst diese kantigen Gestalten 
lebendig werden zu lassen. 
seite der geschäftstüchtigen Brüder, daß man manche 
Sünden schon vergessen darf. Nur weiter so! 
VI. 
Und noch weiter auf dem andern Weg: »Kümmere 
dich um Amelie« auszugraben, das war eine ganz famose 
Idee. So alt die Idee des Schwankes ist — ein junger 
Mann glaubt eine Scheinehe einzugehen und vermählt sich 
wirklich — so glänzend leicht, so falterhaft-farbenfroh gibt sie 
der französische Verfasser. Und wenn auch der unvergessene 
Alexander und die entzückende Vera Vitt nicht ganz zu 
ersehen sind — Eugen Burg und Olga Limburg sind zwei 
Leutchen, an denen nicht nur Herr Adam und 
Frau Marbach ihre Freude haben. Wie sagen die Inder? 
»Ein Spiel, und wenn es nur einen froh gemacht — laßt 
es euch gefallen.« Und das hier wird noch Tausende froh 
machen! 
VII. 
Vom Wertvollsten, was das Theater vielleicht des letzten 
jahres überhaupt bot, mag heute nur andeutungsweise die 
Rede sein: ich meine die Aufführung von 
Ibsens Gipfeldrama »Wenn wir Toten 
erwachen!« im Lessingtheater. Diese 
Aufführung war so stark in ihrer 
Schlichtheit und absoluten Inner 
lichkeit, daß man sich in Otto 
Brahms beste Zeiten zurück 
versetzt meinte. Schon die Be 
setzung — Bürgel, Loos, Stein 
rück, Dorsch — bot das Wert 
vollste, was heut an Schau 
spielkunst in Berlin zu finden 
ist. Über all dies ausführlich 
das nächste Mal. Victor Gofdschniidt. 
Phot. 
Herrn. ValTent.n afs Gendarm 
in Lautensacßs Komödie 
, Haßnenßampf" 
Atlantic. 
Totenfeiern überall. (Nur aus 
Pietät? Oder doch vielleicht aus 
Mangel an Lebendigen, die ge 
feiert werden dürfen?) Wede- 
kinds »Hidalla« gehört zu den 
stärksten Eindrücken meiner )ugend. Nicht so sehr das 
Stück selbst — das schon die sinkende Kraft des niemals 
ganz starken Erzeugers erkennen läßt. Aber Frank Wede- 
kind selbst spielte den Karl Hetmann. Ganz ohne schau 
spielerische Schulung, ganz schlicht und ehrlich; und wir 
saßen im Kleinen Theater wie die Bildsäulen und weinten. 
Es war, als hielt er sein Flerz in den Händen und grinste: 
»Seht her! Das zuckt nicht schlecht, was?« Daß das heut 
auf uns, trotz Goetjens starkem, feinem Spiel, nicht mehr 
so stark wirkt — wen wunderts? Die Krankheit unserer 
Zeit, die Trägheit des Herzens, zeigt eben auch hier ihre 
traurigen Symptome. 
V. 
Schnitzlers »Weites Land« bei Rotten. Seien wir nicht un 
gerecht: das war leicht und graziös und doch nachdenk 
lich gemacht. Korff bleibt ein Schauspieler von einer 
gewissen weltmännischen Dämonie, die nicht nur Frauen 
bestrickt, und daß uns Irene Triesch, endlich, wieder 
geschenkt ist, bleibt ein so starker Posten auf der Kredit- 
Erstauffiißrung von „HidaiTa" 
im Tßeater in der Königgrätzer Straße. 
Paul Bild. Johannes Riemann. 
Phot. ■ Zander Sä La hi sch.
        
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