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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Die bekannte Opernsängerin Gerafdine Tartar mit Perfen° 
Ohrgehängen und Hafsschmuck. 
Phot, t W'icfe Worfcf. 
die sie sich leisten können, sehr modern. Bei einer 
Gcraldine Farrar sind sie aus Diamanten. Sic hat 
aber auch die schönsten Augen . . . Mein Liebchen, 
was willst du noch mehr? . . . 
Während ihrer Tätigkeit vor dem Kriege am Berliner 
Opernhaus war die schöne Künstlerin der erklärte 
Liebling des Berliner Publikums. Viel wurde ja auch 
über ihre Beziehungen zu einem deutschen Kaisersohn 
geflüstert. Ob mit Recht oder Unrecht, jedenfalls hat 
die Sängerin einen königlichen Schmuck. Ihr be 
rühmtes Perlenhalsband soll sie von einem indischen 
Fürsten zum Geschenk erhalten haben. 
Das „Sklavenarmband“, ein schmaler, goldener 
Reif, der den linken Oberarm der in ärmelloser Ge- 
scllschaftstoilette steckenden Dame häufig ziert, er 
weckt bei einem bekannten französischen Schrift 
steller die Sehnsucht nach dem „Nasenring“ und ver 
anlaßt ihn zu Allgemeinbetrachtungen über Schmuck. 
„Es gibt Sachen, die ich nicht verstehe.“ meint er, 
, ch begreife nicht, warum meine Zeitgenossinnen so 
e ne barbarische Vorliebe für Muscheln und Kohlen 
stoff haben. Denn schließlich muß man doch die 
[finge bei ihrem richtigen Namen nennen. Der 
funkelnde Diamant ist nur gewöhnlicher kristalli 
sierter Kohlenstoff, die herrlichste Perle mit 
feinstem Orient nur ein Muschelgeschwür. 
Warum setzen also die Frauen alles daran, um 
in ihren Besitz zu gelangen? Warum ruinieren 
sich Männer, um sie der Frau, die sie lieben, 
zu Füßen zu legen? Warum vollführcn Diebe, 
um sie zu stehlen, die unglaublichsten Helden 
taten? 
Oder wollen sie zufällig das wunderbare Vor 
recht ihr eigen nennen, ewige Schönheit zu ver 
leihen oder die häßlichste Häßlichkeit in Anmut 
zu verwandeln? 
Dann würden ja die Negerinnen aus Zentral 
afrika recht haben, denn sie begnügen sich nicht 
damit, ihre Juwelen zu beiden Seiten ihres Ge 
sichts aufzuhängen! Sie sind logisch und mutig: 
Der Nasenring ist ihr schönster Schmuck!“ 
„Pfui, wie furchtbar!“ werden unsere Damen 
jetzt rufen. 
Aber, verehrte Leserinnen, gibt es nicht viele 
von Ihnen, die sich des Schmuckes wegen ihre 
zarten, rosigen Ohrläpp 
chen durchbohren ließen? 
Und wenn Diamanten 
und Perlen Ihnen eine 
unzerstörbare Ju 
gend verleihen könn 
ten,würden 
Sic dann 
auch nur 
einen 
einzigen 
Augen 
blick zögern, 
jene, gleich einem 
Tautropfen über 
Ihren halbge 
öffneten Lip 
pen zittern 
zu lassen? 
Ich glau 
be nicht! 
Renate. 
Mette Renouard, die Berühmte Pariser Sthauspieferin und 
ihre drei Bekannten Perhenketten. 
Phot,: Temina, Paris.
        
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