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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Gekochter Schinken 
Von J. Ulemann 
FRAU ELISE BOCK 
c VPi«nos Ur 
on Haus aus arm, vom Leben scharf angepackt und 
durch nichts verwöhnt, trug Balthasar mit Würde und 
Zufriedenheit die Last seines Daseins. Trotz seines 
chronischen Dalles war er aber weder Fatalist noch So» 
zialist, sondern ein lieber 
braver Kerl, der sich mit 
seinen Gedichten recht und 
schlecht durchs Leben schlug. 
Hatte er heut ein Kind 
seiner Muse an den Mann 
gebracht, so konnte er 
tagelang träumend durch 
die Straßen ziehen, ohne 
nur das leiseste Bedürfnis 
nach Arbeit zu verspüren. 
Seine Gedichte waren sein 
Brot, seine Träume und 
Gedanken, sein Vergnügen. Mit Frauen hatte er nicht 
viel im Sinn/ erstens waren sie ihm zu kompliziert, 
zweitens zu teuer, und drittens er selbst zu bequem. 
Sein Leben brei» 
tete sich so glatt 
und weiß wie ent» 
sahnte Milch um 
ihn aus/ und solch 
Narr war er nicht, 
daßerselbstSteine 
in dieses Stilleben 
warf. Er fürchtete 
sich vor der See» 
krankhea der Lie» 
beund ihren nach» 
teiligen Wirkun» 
gen. Die Erotik 
war ihm ein un» 
bekannter Begriff, 
da er völlig von 
seiner zartenLyrik 
durchsetzt war. 
Auch sie glich der 
entsahnten Milch 
er aß sie mit dem 
Puderzucker der 
Keuschheit, statt 
mit Zucker und 
Zimt. Idealis» 
mus und ratio» 
nierte Lebens» 
weise in schönster 
Zusammenarbeit. Da kam der Krieg. 
Balthasar fing an zu leiden/ erstens an den Menschen 
und zweitens an den Kohlrüben. Er ertränkte die 
Schmerzen in seinen Gedichten. Soldat wurde er nicht/ 
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das gab ihm wieder Oberwasser, so daß er der alte blieb. 
Da kam der Frieden, 
Balthasar litt wieder,- erstens an den Menschen und 
zweitens an den neuen Verhältnissen. Er ertränkte wieder. 
Zwei Jahre brauchte er 
zu dieser Wasserkur, erst 
dann stellte sich der Erfolg 
ein. Er blieb der alte. 
Hatte sich auch um ihn 
herum faß alles umgestellt, 
so hielt er sich doch selbst 
die Treue. Er verminderte 
eben seine eigenen An» 
Sprüche proportional dem 
Bedürfnis der andern für 
seine Lyrik, Er wurde 
halt etwas fleißiger/ das 
war die einzige Konzession, die er der Republik machte. 
Da kam die Aufhebung der Zwangswirtschaft, 
Balthasar litt entsetzlich. Mit den wiederkehrenden 
Fleischwaren trat 
abermals eine 
Veränderung sei» 
ner Mitbürgerein. 
Was man solange 
entbehrt hatte, 
war wieder da, 
und zwar so reich» 
lieh, daß man dar» 
über stolpern 
konnte, wenn man 
dick und reich ge» 
nug war. Das 
Rätsel vom Dolch» 
stoß der Heimat 
in den Hinterteil 
der Front war 
gelöst/ die Täter 
waren entlarvt 
und schwer reich 
geworden. Der 
Appetit und die 
Vergnügungs» 
sucht wuchsen zu 
Verschwendung 
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und Zügellosig» 
keit. Aller Welt 
lief das Wasser 
in breiten Bächen 
im Munde zusammen. Man belagerte die verlockenden 
Schaufenster und sah sich an den speckigen Wundern 
satt/ viele nahmen die Bilder mit in ihre Träume hinüber. 
<Alpdruckersatz.> Es gab auch wieder Hunde und
        
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