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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

Beigefarbenes Tudiftfeid mit Sonracße und passende/ 
Peter ine. 
Haltung und Ausdruck, die Anmut, gegenübersfeht. 
Und es bedarf wohl kein modernes Kleidungsstück 
so sehr der Anmut, wie gerade der runde Rad 
kragen. Bei der Anmut spielt ja die Persönlichkeit 
eine so große Rolle. Wie sehr kann ein nicht 
ganz fehlerfreier Körper durch schöne Bewegungen 
gewinnen, obwohl die Anmut, wie besagter Pro 
fessor behauptet, an bestimmte Vorzüge der Körper 
form gebunden ist. Gerade Gliedmaßen, schlanke, 
lange Beine und ein schlanker, biegsamer Rumpf 
sind für sie Bedingung. Ein lebhafter Wechsel der 
Bewegung ist der Hauptreiz. 
Und wo kann dieser lebhafte Wechsel der Be 
wegung besser zum Ausdruck kommen als in der 
Pelerine, vor allem in der Spitzenpelcrine, die des 
Abends so gern über der Gesellschaftstoilette ge 
tragen wird? Man sieht unglaublich viel Spitzen 
in allen Farbentönen, allen Mustern, allen Ur 
sprüngen. Die weiße Point d’Angleterrc und 
schwarze Chantilly, die Plauencr Spitze und Jersey 
Guipure, sie alle legen sich graziös und leicht über 
dicke und dünne Stoffe. 
Der wahre, echte Schick setzt sich aus so vielen 
kleinen unmerklichen Nuancen zusammen, daß es 
gar nicht so leicht ist, ihn zu finden. 
Gerade auf dem Gebiete der Mode werden viele 
Irrtümer begangen, die leicht zur Lächerlichkeit 
führen. So darf eine Pelerine aus Crepe Geor 
gette nicht zu einem dicken Tuchkleide getragen 
werden und eine aus bunt bemalter Duchesse 
nicht zu einer der modernen golddurchwirkten 
Tüllroben. 
Da sich die Frauen diesmal sehr doppelseitig 
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zeigen (nur in der Mode, versteht sich, nicht im 
Leben!), werden die Kragen, die von zwei Seiten 
getragen werden können, im wahren Sinne des 
Wortes „doppelt“ geschäht. Sonst muß der Mann 
mit dem Mantel der alles verzeihenden Liebe die 
Torheiten des Weibes verdecken. Diesmal tut es 
die Göttin Mode selbst, die mit der weiten, doppel 
seitigen Pelerine die ewig reizenden Frauen in ihren 
Ränken unterstützt und ihnen damit eine Waffe mehr 
gegen die dummen Männer in die Hand gibt. 
Man stelle sich einmal vor, zu welchen Über 
raschungen diese Vielseitigkeit führen kann. Da 
hat z. B. eine Dame in weißer Hermelinpelerine 
den, der diese bezahlt hat, vor ihrer Haustür mit 
den Worten verabschiedet, sie müsse sich ihrer 
unerträglichen Migräne wegen sofort ins Bett 
legen, und eine halbe Stunde später sieht er, der 
zufällig noch in der Nähe weilt, die Ungetreue am 
Arm seines besten Freundes im Skunkscape ent 
eilen. Er stutzt: Ist sie’s, oder ist sie’s nicht? Sie 
muß es doch aber sein! Es ist doch „ihr hoher 
Gang, ihre edle Gestalt, ihres Mundes Lächeln, 
ihrer Augen Gewalt . . Aber der Skunks? . . . 
Sic besitzt nur einen Hermelinkragen, darauf kann 
er einen Eid leisten, denn er kennt den Inhalt ihres 
Kleiderschranks. Und auch er, der Unglückliche, 
seufzt. w Meine Ruh’ ist hin, 
Mein Herz ist schwer; 
Ich finde Skunks . . . 
Und Hermelin nicht mehr!“ 
Doppelseitigkeit! — Dein Name ist Weib und — 
Mode! Renate. 
Bfaues cfoppefseitiges Tucbcape mit bunter Sticberei. 
Photos: Wide Worin.
        
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