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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Der ameriüanisSe Präsident Harding ist ieidensdaftiidter Goffspiefcr. 
Pfotas: Wufe Worin. 
Der engfisdre Minister Baffour 
Beim Tennisspiet. 
Redrts: Der engtiscBe Minister 
CBurdtid ats Kunstmafer. 
bis abends betreiben. Herr Harding, 
Amerikas Präsident, ist ein leiden 
schaftlicher Golfspieler, und es gibt 
nur wenige seiner Gegner, die ihm 
auf den schönen, bergigen Golf- 
geländen, an denen der amerikanische 
Boden reich ist, gewachsen sind. Die 
natürlichen Hindernisse, die guten 
Längen der Löcher, die Anlage der 
Abschlagplätze und der vorzüglich 
gepflegte Rasen machen das Spielen 
dort zur Lust. Es ist kein Wunder, 
daß Harding, sobald es ihm seine Zeit 
erlaubt, dem Weißen Hause den 
Rücken kehrt, um im Verein mit seinem 
Freunde, dem bekannten GolfchampionChick 
Evans, seine gewöhnlichen Spielgegner, die 
Senatoren Freiing Luysen und Kellogg zu 
besiegen. Es scheint, daß die Armen immer 
schon sehr bald die Waffen vor den mäch 
tigen Schlägen des Mannes strecken müssen, 
der auch das amerikanische Schiff mit Ge 
schick lenkt, und daß er oft schon nach der 
zweiten Runde mit 9 auf führt. 
Wenn der grimmige „Tiger“ Clemenceau 
den vor kurzem fälschlich totgesagten eng 
lischen Minister Herrn Arthur James Balfour 
eines Tages während einer politischen De 
batte in der ihm eigenen unhöflichen Manier 
mit den Worten anfuhr: Jetzt, wo Sie drei 
Viertelstunden lang über die Sache ge^ 
sprechen haben, sind Sie vielleicht so liebens 
würdig. uns mitzuteilen, ob Sie für oder 
gegen sie sind“, so würde er wahrscheinlich 
erheblich bescheidener werden, stünde er 
dem Mitglied des Unterhauses und Führer 
der konservativen Partei auf dem Tennisplatz 
gegenüber! Denn der Neffe des dritten 
Marquis von Salisbury, Herr Arthur James 
Große Politiker im Privatfeßen 
Von Trude John. 
Balfour, ist in seinen politischen Ausführungen vielleicht etwas weit 
schweifig und langsam, seine Tennisbälle setzt er jedenfalls trotz 
seines vorgeschrittenen Alters mit einer nie versagenden Sicherheit und 
Präzisiondorthin, wo die Gegnergerade nicht stehen Gegen den Schlag 
seines Raketts kommt niemand an — auch nicht Herr Clemenceau! 
Die Churchills entstammen einer alten irischen Familie, die Eng 
land schon viele Politiker geliefert hat. Winston Leonard Spencer 
Churchill, Mitglied des Unterhauses und Unterstaatssekretär der 
Kolonien, bekämpfte einst Chamberlains Politik und schlägt sich 
heute mit Pinsel und Farben herum. Denn es gibt für den englischen 
Staatsmann kein größeres Vergnügen, als zur Mutter Natur hinaus 
zuwandern und, vor seiner Staffelei sitzend, alles auf die Leinewand 
zu malen, was ihm unter die Augen 
kommt: Häuser, Wälder, Wiesen, 
Felder, Menschen und Tiere. Seine 
größte Freude besteht darin, aus den 
Ferien recht viele „fertige“ Bilder im 
Koffer mit nach Hause zu bringen. 
Daß der noch jugendliche König 
von Spanien ein begeisterter An 
hänger jeglichen Sports ist, weiß man. 
Er lenkt das Auto so geschickt wie 
das Luftschiff, rudert, schwimmt, 
reitet, spielt Tennis, Hockey, Fußball 
und tummelt sich besonders gern auf 
seinen rassigen Poloponnys, an deren 
flinke Hufe sich stets der Sieg heftet. 
Das älteste Ballspiel zu Pferde, das 
seinen Ursprung — nach dem persi 
schen Geschichtsschreiber Firdousi — 
schon auf das Reitervolk der Perser 
und Meder zurückführt, ist in Spanien 
außerordentlich beliebt. Man rühmt 
Alton« XIII. eine außergewöhnliche Ge 
wandtheit im Schwingen des biegsamen 
Bambusrohrstiels mit hammerartigem 
Kopf, der den Ball treffen muß, nach. 
So hat auch das Privatleben dieser 
in der Öffentlichkeit stehenden Männer 
seine kleinen Freuden, und ein ehrlicher 
Sieg auf dem Felde des Sports wird 
oft wahrscheinlich freudiger von ihnen 
begrüßt, als ein zweifelhafter auf dem 
der Politik. 
P 'olitiker müssen 
sich auch einmal 
ausruhen, und es ist 
eigentümlich, daß 
dieses „Ausruhen“ 
bei vielen von ihnen 
darin besteht, daß 
sie einen ihnen be 
sonders ans Herz 
gewachsenen Sport 
während ihrer Fe 
rien von morgens
        
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