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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

Friseurin verbringt, um sich ihre seidenweichen langen 
Pinscherhaare immer wieder aufs neue strählen zu lassen, 
so geschieht das nur aus dem Grunde, weil sic sich „Bobs 
— leider etwas großes Herz — endgültig erobern möchte. 
Aber bei den Vierfüßlern ist dieses «endgültig“ noch viel 
problematischer als bei den Menschen! 
Es gibt wohl kaum ein zweites Tier, daß sich so zum 
Zusammenleben mit dem Menschen eignet, wie gerade der 
Hund. Er ist gewöhnlich sehr klug und S^tmit einem 
oft ganz merkwürdig anmutenden Takt auf die Gefühle 
seines Herrn oder seiner Herrin ein. Man beobachte 
einmal jene lieben vierfüßigen Führer, die ihre; armen 
erblindeten Herren durch die Straßen der oroßstadt leiten. 
Mit welcher Sorgfalt sich der Hund vor Überschreiten des 
Fahrdamms nach allen Seiten umsieht, ehe er seinem 
Schübling ein Zeichen zum Weitergehen gibt, wie er dem 
seiner Klugheit Anvertrauten bei einer Bordschwelle einen 
kleinen, liebevoll-vertraulichen Stoß ans Bein gibt, wie 
er den Vorübergehenden scharf daraufhin mustert, ob er 
auch nicht etwa Böses gegen seinen Herrn im Schilde führe. 
„Hektor“, dessen schöner Kopf im B'lde festgehalten 
wurde, hat sich bei einer Sammlung für Lungenkranke 
außerordentlich tüchtig und dienstbeflissen gezeigt. Keine 
Büchse war so voll wie die, die der kluge Hund den 
Vorübergehenden bittend, aber doch mit einer gewissen 
Energie entgegenhielt. Und da mit einem wachsamen 
Polizeihunde nur schlecht Kirschen essen ißt — voraus 
gesetzt, daß er überhaupt Kirschen ist —, tat jeder sein 
Scherflein in den Blechbehälter und erhielt zum Dank ein 
etwas hochmütig vornehmes Kopfnicken. 
Natürlich gibt es auch unter den Hunden solche, 
die den ganzen lieben langen Tag nichts tun als 
schlafen, essen, spazierenfahren und sich von schö 
nen Händen verhätscheln lassen. Ob sie glücklicher 
als ihre arbeitenden Kollegen sind? Sic haben große 
Bei der Maniküre. 
seidene Schleifen am silbernen, oft sogar auch gol 
denen Halsband, sic tragen im Winter pelzgefütterte 
Überzieher mit Taschen, aus denen ein Batisttaschen- 
tuch hervorguckt, sic ziehen, wenn cs regnet, vier 
Gummischuhe an, um sich vor Rheumatismus und 
nassen Füssen zu schützen, sic essen Leckerbissen 
und schlafen auf weichen Daunen. Das Hundeleben, 
Am Große des Treundes (Hundefriedßof in Eng fand) 
das sie führen, ist einzig und allein ihrer Herrin 
gewidmet, denn deren Schönheit dienen sie als Folie. 
Es gilt neuerdings für schick, die Farbe 
des Hundes mit der des Kleides seiner 
Dame in Einklang zu bringen oder, wenn 
das nicht möglich ist — da ein Hund doch 
schließlich kein Chamäleon ist und sein 
Fell beliebig nuanciert —, doch wenigstens 
die Toilette des Vierfüßlers in irgendeinem 
Detail zu der seiner Herrin abzustimmen. 
Sei es, daß die Halsbandschlcifc des be 
gleitenden Vierfüßlers der am Damenhut 
entspricht, sei es, daß seine Leine mit dem 
Leder übereinstimmt, das die schmalen, 
neben ihm gehenden Füße bedeckt. 
Viele Hunde zeigen eine ganz auffallende 
Charakterstärke. So gibt es hier in Berlin 
einen Fall, bei dem ein kluger Spitz an 
läßlich der Scheidung des Ehepaares, dem 
er diente, sich rückhaltlos für den männ 
lichen Teil erklärte, obgleich er bei Auf 
lösung des Haushalts dem weiblichen zu- 
gesprochcn wurde. Obwohl der Ehemann 
sehr weit von seinem bisherigen Wohnort 
fortzog, fand der Spi£ immer wieder seine 
Spur und suchte ihn, trotz wiederholten 
Zurückbringens, immer wieder von neuem 
auf. Die Vermutung steht nahe, daß die 
Frau der schuldige Teil war, denn Hunde 
haben einen feinen „Riecher“. 
Da aber auch sie den WegallesStcrblichen 
gehen müssen, wollen wir dem guten „Bully“ 
unser Mitleid nicht versagen und mit ihm am 
Grabe seines Freundes trauern. T. J- k. 
Photos; P. Senne che.
        
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