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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Hunde 
T Teutzutage gibt es wahr- 
l—I scheinlich viel mehr Men- 
1 sehen, die ein Hundc- 
I I leben führen möchten,als 
I Hunde, die mit dem 
JL X Dasein dieser Menschen 
tauschen würden. Denndie Vier 
füßler, von denen hier die Rede 
ist, sind beneidenswerte Ge 
schöpfe, bei denen sich der im 
deutschen Sprachgebrauch mit 
„Hundeleben“ verbundene Sinn, 
nämlich eines unerträglich schwe 
ren Lebens, nicht in Anwendung 
bringen läßt. Die Steuer für Hunde 
istso erhöht worden, daßsich eigentlich 
nur noch die Leute ein Zusammenleben 
mit dem treuen vierfüßigen Begleiter 
erlauben können, die reich genug sind, 
um sich diesen Luxus zu gestatten oder 
zu arm, um sich ein Pferd oder einen 
Esel zu halten, die ihnen bei der Arbeit helfen müssen. 
Denn obwohl der Anblick selten ist, gibt es doch 
immernoch — namentlich im Norden Berlins — Zieh 
wagen, vor die ein Hund gespannt ist. Rührend ist 
cs, zu sehen, wie sich der arme Kerl anstrengt, um 
seinem zerlumpten Herrn oder seiner abgemagerten 
Herrin die Arbeit zu erleichtern, und die Gefühle, mit 
eben 
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Im Dienste der Wohltätig Heit. 
Photos: P. Senne che. 
Genau wie sich die Türen der 
Schönheitsinstitufe von morgens 
bis abends vor Kundinnen öff 
nen, die mit dem Verfahren der 
Mutter Natur unzufrieden sind 
und sie durch Kunst zu ver 
bessern suchen — denn Schön 
heit wird bekanntlich durch 
Kunst gehoben—,sind auch die 
kosmetischen Institute für Hunde 
so überfüllt, daß ein Schönheits 
kandidat oft sehr lange warten 
muß, ehe man sich mit seinem 
äußeren Hunde beschäftigen kann. 
Es gibt ja aber auch für Hunde 
Verpflichtungen, sich jung und gut 
aussehend zu erhalten. Wenn man, 
wie „Bob“ Schauspieler ist, jeden Abend 
auftreten, schönmachen, durch Reifen 
springen, den dummen August spielen 
und das Publikum zum Lachen bringen 
muß, ist es selbstverständlich, daß dies nur in einer 
Aufmachung „up do date“ geschehen kann. „Bob“ 
läßt sich maniküren, oder besser gesagt pediküren, 
seine Schnurrbarthaare sind aufs regelmäßigste und 
sorgfältigste gestuft, sein Fell glänzt wie lackiert 
(Lack ist ja auch die große Mode!) und seine Augen 
strahlen, ob mit oder ohne Belladonna, bleibe dahin- 
. Muffe" und seine ‘Friseuse. 
denen dieser vierbeinige Proletarier auf den im Auto 
vorübersausenden vierbeinigen Schieber blickt, werden 
bestimmt denen gleichen, die Menschen in gleicher 
Lebenslage empfinden. 
.Boß" wird der Kopf gewaseßen. 
gestellt, jedenfalls sind sämtliche vierfüßigen weib 
lichen Mitglieder, die an „Bobs“ Bühne engagiert 
sind, in den Held der Truppe verliebt, und wenn 
„Mulle“ die halbe Zeit ihres Hundelebens bei der
        
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