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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Seide und an die Stelle 
des Brautkranzes tritt 
eine mit kostbaren 
Edelsteinen ge 
schmückte Krone. 
Ein alter Aberglaube 
will, daß zwischen 
Bräutigam und Braut 
vor dem Altar kein 
Raum entstehe, wei 
sich sonst der Teufel 
dazwischen zwang,. 
pie vielen Scheidun 
gen sind daher höchst 
wahrscheinlich auf die 
Unachtsamkeit der 
jungen 
Eheleute zu- 
rückzuführen, die dem 
hinterlistigen Teufel 
gerade in dem Augen 
blick Gelegenheit zum 
Durchschlüpfen geben, 
wo noch kein Mensch 
an etwas Böses denkt. 
Auch sollen den Ver 
tretern des starken 
Geschlechts, die sich 
zu dem schweren 
Schritt entschlossen 
haben, „und in Ehren 
und beizeiten hin zum 
Slandesamte schrei 
ten“, hier einige Er 
mahnungen und Winke 
gegeben werden. Vor 
allem dürfen sie sich 
nicht an einem Mon 
tag, Mittwoch oder 
Freitag verheiraten, 
das bringt Unglück. 
Wenn sie in der Ehe die Oberhand behalten wollen, so müssen 
sie die Hand während der Trauung „oben“ halten. Sie sollen sich 
vor Mädchen mit manikürten Fingernägeln hüten und vor solchen, 
Modernes Brauthfeid aus weicher, 
fließender Seide. 
die in ihrer Kleidung 
die rote Farbe bevor 
zugen. Hinter Mäd 
chen, die stark par 
fümiert und solchen, 
die zu bescheiden und 
zurückhaltend sind,soll 
auch nicht viel Gutes 
stecken.Vor weiblichen 
Personen mit zurück- 
weichender Stirn und 
trockenem Haar sollen 
die Männer ebenso auf 
der Hut sein, wie vor 
solchen, die stark reli 
giös sind. Weibliche 
Wesen, die sehr nahe 
an den Herrn der 
Schöpfung heran 
rücken und ihre Hand 
auf seine legen, ver 
heiratet gewesene 
Frauen, die sich ent 
gegenkommend zei 
gen, Schwestern von 
Freunden und Mütter, 
die um die Zukunft 
ihrer Töchter besorgt 
sind, sind sehr gefähr 
lich. Hüte dich, o 
Mann, vor einem Mäd 
chen, das gern etwas 
trinkt, denn es wird ei 
ne schlechte Frau und 
Mutter werden. „Aber,“ 
fragt der Ehekandidat, 
„wer bleibt denn dann 
noch übrig? Wie soll 
denn meineZukünftige 
beschaffen sein?“ 
Tartarisches Brautideid mit reicher 
Gofd* und Sifherst ich er ei. 
„So lieblich, anmutig und reizvoll, wie sie es auf unsern 
Bildern ist, Verehrtester!“ 
„Dann ruft jeder freudiglich; Gott sei Dank, sie haben sich!“ 
Photos: P. Senne ehe. 
Chinesische Braut mit ihren Brautjungfern.
        
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