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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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kleinen Stadt und dadite vielleicht an die wollenen 
Strümpfe und die niedrigen Absätze der städtischen 
Jungfraunschaft. Um aller üblen Nachrede zu entgehen, 
hatten sie auf das Doppel» 
zimmer verzichtet und auch 
Manja trug sich unter richtigem 
Namen ins Gästebuch ein. — 
Nur der Geschäftsführer des 
Hotels und der Oberkellner 
hatten das nötige Verständnis 
für die Situation der beiden. 
Sie schwiegen diskret darüber, 
daß das Zimmer des Herrn und 
das seiner »Sekretärin« durch 
eine direkte Tür verbunden 
waren. Und wenn sie sich all» 
morgendlich nach dem Befinden 
der Herrschaften erkundigten, 
zwinkerten sie mit den Augen. 
Eines Abends saßen Manja 
und ihr Freund in der Kondi» 
torei. Das Interesse, das ihnen 
die guten Bürger allüberall ent» 
gegenbrachten und diese An» 
teilnahme in allerlei Äußerungen 
der Bewunderung, in abfälligen 
Bemerkungen <man hörte oft 
Ideenverbindungen von Berlin 
und Babel, Jungfräulichkeit, He» 
bung der Moral usw.) kund» 
gaben, beruhte auf absoluter 
Gegenseitigkeit. Es war den 
beiden zu spaßig, sich die auf 
geregten Geister dieser behäbi» 
gen Spießbürger zu betrachten. 
— Aber wie es so manchmal 
vorkommt, bekamen die beiden 
urplötzlich eine Meinungsver 
schiedenheit. Keiner wollte 
nachgeben. Und sie »meckerte«, 
wie er das Schmollen bezeich» 
nete. Er gab nicht nach und 
ärgert sich über ihre Rechthaberei. Kurz und gut, sie 
erklärt aufgeregt, sie ginge nach Hause, ins Hotel. 
»Bitte«, sagt er kurz. 
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Erhäftfich in affen einschfägigen Geschäften, 
ivo nicht vorhanden, iveisen Bezugsgueffen nach. 
Fünf Minuten nachdem sie tatsächlich gegangen, zahlt 
er, und erbost macht er sich auf den Heimweg. Er 
platzt bald vor Ärger und beschließt, ihr gar nicht gute 
Nacht zu sagen. Im Hotel 
angekommen, wählt er den 
Weg durch das Restaurant, 
um sich ein paar Zeitungen 
mitzunehmen, die er im Bett 
noch lesen will. Da bittet ihn 
der Geschäftsführer noch um 
eine Unterredung. Bittet ihn 
tausendmal um Entsduildigung, 
daß er in seiner Abwesenheit 
das Zimmer hat räumen lassen, 
um einen Gast, der seit zwanzig 
Jahren ins Hotel kommt und in 
der Stadt keine andere Untere 
kunft fand, nicht abweisen zu 
müssen. Er verspricht Hanns, 
ihn zu entschädigen und ent» 
schuldigt sich viele Mal. »Es 
ist nur für die eine Nacht,« 
meint der Geschäftsführer, »ich 
habe Ihr Bett auf der Chaise» 
longue im Zimmer des gnädi» 
gen Fräuleins machen lassen!« 
Hanns muß trotz seines Ärgers 
lachen, »Ausgerechnet heute!« 
dachte er. Also geht er in ihr 
Zimmer, Macht ein bitterböses 
Gesicht, zieht sich aus und fegt 
sich auf die zum Bett ver» 
wandelte Chaiselongue. Manja 
liegt schon im Bett. Obgleich 
er krampfhaft Zeitung liest, 
muß er doch einmal aufgucken. 
Es läßt sich nicht vermeiden, 
daß er sie dabei ansieht. Und 
wider seinen Willen muß er 
lachen. Die Situation ist zu 
kurios. So löst sich der 
»fürchterliche Streit« in golde» 
nem Lachen. Er springt im Pyjama aus dem Bett, gibt 
ihr einen Versöhnungs» und Gutenachtkuß und flüchtet 
wieder auf sein provisorisches Lager. So schlafen sic 
Ihres Schicksals Schmied 
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