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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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bei jeder Gelegenheit trug und eines Abends zum 
Smoking anzog. Um mich weiterhin zu ver* 
schönen, legte ich eine zartlila Krawatte an. Als 
ich in diesem 
Kostüm ein 
Auto bestieg 
und zur Fräu 
lein Braut 
fahren wollte, 
hörte der 
Chauffeurgar 
nicht hin, als 
ich ihm die 
Adresse angab, sondern entführte mich gewaltsam 
in die Dresdener Straße zur »Alhambra«, wo gerade 
ein Herrenabend exklusiverer Natur stattfand. 
So ist es mir immer ergangen. Idr brauche 
gar nicht zu betonen, daß ich prinzipiell zum 
Frack <zu dem ich natürlich eine bunte Weste 
trage), nur im Ulster, der mir bis auf die Knöchel 
geht und blankem Zylinder erscheine. Meinen Cha* 
peau claque trage ich aus Grundsatz nur vor« 
mittags zum Sakko. Um das Bild zu beleben, 
habe ich dann hellgelbe Handschuhe an den 
Händen, wozu ich eine smaragdgrüne Krawatte 
bevorzuge. 
Besonders groß bin ich in Pyjamas, Ich habe 
es im Laufe der Zeit auf 2 ! /.i Zentner gebracht 
und trage infolgedessen nur hellgelbe mit roter 
Husarenverschnürung, Da sich bereits meine dritte 
Frau auf dieses Kleidungsstück hin hat von mir 
scheiden lassen, halte ich es hoch in Ehren und 
habe mir soeben bei Bister ein weiteres Dutzend 
davon nachbestellt. Die in diesem Betriebe ge* 
meldete Brechdurchfall- 
Epidemie steht mit 
dieser Bestellung nur 
in einem lockeren Zu* 
sammenhange. 
So habe ich langsam 
die Hoffnung aufge* 
geben, mit der Mode 
jemals auf einen halb* 
wegs vernünftigen Plattfuß zu kommen. Und 
ich fühle mich eigentlich sehr wohl dabei und 
bilde mir ein, ein Original zu sein. Auch wenn 
idi gestorben 
. **• * 
ge getragen 
werden. Ich 
habe testamentarisch hinterlassen, daß ich in ultra* 
violettem Schlafrock mit Reitstiefeln und goldenen 
Sporen, das Haupt mit einer Tscherkessenmütze 
bedeckt, zu beerdigen bin. Am Auferstehungstage 
dürfte dann mein farbenfrohes Sterbegewand 
im Kreise der himmlischen Heerscharen keine 
geringe Verwunderung 
erregen. Dort oben soll 
ja Weiß große Mode 
sein. Wenn der Erz* 
engel mich in meinem 
fuschkastenanzug ein* 
treten sieht, bleibt ihm 
bestimmt der Ton in 
der Posaune stecken. 
Vigo.
        
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