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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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S eit meiner frühesten Jugend stehe ich in damals noch für den heute märchenhaft klingen 
heißestem Kampfe mit ihr. Die allgütige den Preis von fünfzig Mark.) 
Mutter Natur hat mich mit einer Figur begabt. Als ich mich nun in diesem Kostüm zu Hause 
die mein Mathematiklehrer mit »Vorne so hinten vorstellte, sprang der Papagei von der Stange und 
wie tief« zu benamsen pflegte. Nun lehrt der bot mir als Kollegen höfliehst seinen Platz an. 
Meine Eltern waren weniger höflich, überwiesen 
die erworbenen Kleidungsstücke an einen gerade 
gastierenden Zirkus, entzogen mir alle Barmittel 
große Koebner, daß es für also gestaltete Leute 
nur eine Mode gäbe, die sich in Jahrzehnten nicht 
ändert: Die absolute Unauffälligkeit. Und das 
hat mir nie eingehen wollen. 
Ich erinnere mich noch mit Grausen meines 
ersten Ankaufs modischer Dinge. Ich war damals 
vierzehn Jahre alt und hatte von einem leicht 
sinnigen Onkel fünfzig Mark geschenkt bekommen, 
Die baute ich folgendermaßen an; 
Ich begab mich, da ich ein ökonomisch veran= 
lagter Mensch bin, zu Jandorf in 
der Brunnenstraße und erstand: 
1. einen Kragen von 8,5 cm 
Höhe, 2. eine Krawatte 
in den Farben des da= 
maligen Deutschen 
Reiches und 5. eine 
grüne Leinenweste 
mit gelben Tupfen. 
<Das alles gab es 
und stellten gegen den Onkel den Antrag auf 
Kuratel. 
Ob Sie es glauben oder nicht, in diesem Sinne 
habe ich es weiter getrieben. Als ich mit neun= 
zehn Jahren meiner ersten Fräulein 
Braut imponieren wollte, er= 
stand ich ein Paar gelbe 
Halbschuhe mit Schnabel 
bildung, an deren Spitze 
ich bei lebhafter Kon 
versation mit der 
Nase anstieß. Aber 
ich fand sie so 
schön, daß ich sie
        
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